Insel Rab: Der komplette Guide für Kroatiens Sandstrand-Insel (2026)
Inhalt
Rab ist die Sandstrand-Insel Kroatiens. Während der Rest der Adria Kies und Felsen bietet, hat Rab echte Sandstrände — und zwar gleich über zwanzig davon. Dazu kommt eine mittelalterliche Altstadt, deren vier Glockentürme eine der ikonischsten Silhouetten der gesamten Adriaküste formen. Pinienwälder reichen bis ans Meer, auf der Lopar-Halbinsel reiht sich eine Sandbucht an die nächste, und eine FKK-Tradition, die bis in die 1930er zurückreicht, hat der Insel internationale Bekanntheit verschafft. Rab vereint vieles, was andere Inseln nur einzeln bieten: Strände für Familien, Geschichte für Kulturinteressierte, Wildnis für Wanderer und eine entspannte Atmosphäre, die sich wohltuend vom Trubel auf Hvar oder Brač unterscheidet.

Warum Rab?
Kroatien hat über tausend Inseln, aber nur eine handvoll davon hat echte Sandstrände. Rab gehört dazu — und ist gleichzeitig die Insel mit der größten Dichte an feinen Sandbuchten. Allein auf der Lopar-Halbinsel im Norden der Insel zählt man 22 Stück. Das allein wäre schon Grund genug für einen Besuch, doch Rab kann mehr.
Die Altstadt von Rab-Stadt zählt zu den besterhaltenen mittelalterlichen Stadtkernen an der kroatischen Küste. Vier Kirchentürme ragen über die steinernen Dächer, venezianische Paläste säumen enge Gassen, und der Komrčar-Park verbindet die Stadt mit versteckten Badebuchten. Für Familien mit Kindern ist Rab ein Glücksgriff: flaches Wasser, feiner Sand, kurze Wege. Für Naturisten ist die Insel eine Pilgerstätte — hier wurde 1936 die kroatische FKK-Tradition begründet, als kein Geringerer als der britische König Edward VIII. unbekleidet ins Wasser stieg. Und wer wandern will, findet auf der Kalifront-Halbinsel einen der letzten intakten Steineichenwälder des Mittelmeerraums.
Rab-Stadt: Vier Türme und tausend Jahre Geschichte
Die Altstadt von Rab ist auf einer schmalen Halbinsel gebaut, die wie ein Finger ins Meer zeigt. Von der Seeseite aus erkennt man sofort das Markenzeichen: vier Glockentürme, die in unterschiedlicher Höhe und aus verschiedenen Epochen über die Dächer ragen. Diese Silhouette ist auf jedem Reiseführer-Cover, auf Postkarten und auf den Weinflaschen der Insel zu sehen — und in Wirklichkeit noch eindrucksvoller als auf Fotos.

Die vier Glockentürme
Jeder Turm gehört zu einer anderen Kirche, jeder erzählt eine andere Geschichte. Der Glockenturm der Kathedrale Sv. Marija ist der größte und der einzige, den man besteigen kann. Von oben hat man den besten Blick über die Altstadt, die vorgelagerten Inseln und bei klarer Sicht bis hinüber zum Velebit-Gebirge auf dem Festland. Der Aufstieg über die schmale Steintreppe kostet wenige Euro und lohnt sich besonders am späten Nachmittag, wenn das Licht golden wird. Der Turm von Sv. Andrija ist der schiefste der vier — die Neigung ist mit bloßem Auge erkennbar und erinnert an einen kleinen Bruder des Turms von Pisa. Sv. Justina stammt aus der Renaissance und beherbergt heute ein kleines Museum für sakrale Kunst. Der älteste ist der romanische Turm von Sv. Kristofor aus dem 12. Jahrhundert, schlicht und wuchtig, ein Überbleibsel aus der Zeit, als die Stadt noch befestigt war.
Oberstadt und Unterstadt
Rab-Stadt hat eine klare Zweiteilung. Die Gornja Ulica (Obere Straße) verläuft entlang des Hügelrückens und war einst das Viertel des Adels. Hier stehen steinerne Paläste mit gotischen Fenstern und venezianischen Balkonen, dazwischen kleine Plätze mit Brunnen und jahrhundertealten Bäumen. Im Vergleich zum Rummel in Dubrovnik oder Split wirkt diese Gasse fast meditativ — abends, wenn die Tagestouristen von den Fähren wieder verschwunden sind, gehört sie den Einheimischen und den Gästen, die auf der Insel übernachten. Die Cafés stellen ihre Tische vor die Tür, irgendwo spielt jemand Gitarre, und der Geruch von gegrilltem Fisch zieht durch die Gassen.
Die Donja Ulica (Untere Straße) führt parallel dazu am Hafen entlang. Hier ist mehr Leben: Restaurants mit Terrassen direkt am Wasser, Fischerboote, die anlegen, Eisdielen mit langen Schlangen im Juli. Zwischen den beiden Hauptgassen verbinden steile Treppen und schmale Durchgänge die Ebenen — diese Abzweigungen sind oft die lohnendsten, weil man dort auf verwunschene Innenhöfe und vergessene Kapellen stößt. Die mittelalterliche Stadtmauer ist in Teilen noch erhalten und am besten vom Meer aus zu sehen, wenn man mit dem Kajak oder einem Ausflugsboot an der Stadt vorbeipaddelt.
Komrčar Park
Westlich der Altstadt beginnt der Waldpark Komrčar, und der Übergang ist fließend: Aus steinernen Gassen wird ein schattiger Pinienwald, der sich entlang der Küste erstreckt. Der Park wurde im 19. Jahrhundert angelegt, als die österreichisch-ungarische Verwaltung die Insel als Kurort entdeckte. Heute ist er eine Oase an heißen Sommertagen — schattige Spazierwege führen an exotischen Pflanzen vorbei (Agaven, Palmen, Zypressen), und an mehreren Stellen gelangt man über Treppen und Betonplattformen direkt ins kristallklare Wasser. Der Komrčar ist der perfekte Ort für den Nachmittagsspaziergang zwischen zwei Strandtagen, besonders wenn man die Altstadt mit einem kurzen Bad verbinden will, ohne zum Hauptstrand fahren zu müssen.
Rajska Plaža: Der Paradiesstrand
Der Name ist nicht übertrieben. Rajska Plaža — wörtlich “Paradiesstrand” — ist ein 1,5 Kilometer langer Streifen feinen Sands auf der Lopar-Halbinsel im Norden der Insel. Was diesen Strand besonders macht, ist nicht nur der Sand (der ist an der Adria schon selten genug), sondern die Kombination: Das Wasser bleibt auf den ersten 50 Metern knietief, der Pinienwald direkt hinter dem Strand spendet natürlichen Schatten, und der Meeresgrund ist sandig, nicht felsig. Man kann barfuß ins Wasser waten, ohne über Seeigel oder spitze Steine nachzudenken.

Für Familien mit Kleinkindern ist Rajska Plaža einer der besten Strände in ganz Kroatien. Kinder können im flachen Wasser planschen, Sandburgen bauen und am Ufer spielen, ohne dass die Eltern permanent in Alarmbereitschaft sein müssen. Die Infrastruktur ist komplett vorhanden: Beach-Bars, Restaurants, Liegestuhlverleih, Duschen, Umkleidekabinen, Tretboote, Wasserrutschen. Im Juli und August ist entsprechend viel los — wer es ruhiger haben will, kommt im Juni oder September, wenn das Wasser warm genug zum Baden ist, aber die großen Massen ausbleiben.
Ein Tipp: Morgens vor 10 Uhr ist der Strand fast leer. Die meisten Hotelgäste frühstücken bis 9:30, die Tagestouristen aus Rab-Stadt kommen erst gegen Mittag. Wer früh aufsteht, hat den Paradiesstrand praktisch für sich allein.
Die Lopar-Halbinsel: 22 Sandstrände auf wenigen Quadratkilometern
Rajska Plaža ist der Star, aber die Lopar-Halbinsel hat noch viel mehr zu bieten. Insgesamt 22 Sandstrände liegen rund um diese zerklüftete Halbinsel am Nordende der Insel — manche groß und erschlossen, andere winzig und nur zu Fuß oder per Boot erreichbar. Die geologische Besonderheit: Während der Rest von Rab aus Kalkstein besteht, hat Lopar Sandsteinformationen, die vom Meer zu feinem Sand zermahlen werden. Das erklärt die ungewöhnliche Häufung von Sandstränden an einem Ort, der sonst von Kies dominiert wird.
Wer die bekannten Strände hinter sich lassen will, wandert auf dem Küstenpfad von Rajska Plaža Richtung Norden. Nach etwa 20 Minuten erreicht man kleine, namenlose Buchten, in denen man im Hochsommer allein ist. Das Wasser ist überall gleich klar, der Sand gleich fein — nur die Liegestühle und Beach-Bars fehlen. Festes Schuhwerk ist empfehlenswert, weil der Weg stellenweise über Felsen führt.
Die San-Marino-Verbindung
Der Ort Lopar hat eine kuriose Verbindung zum europäischen Zwergstaat San Marino. Der Legende nach wurde die Republik San Marino im Jahr 301 n. Chr. von einem Steinmetz namens Marinus gegründet — und dieser Marinus stammte aus Lopar auf Rab. Die Geschichte ist historisch nicht zweifelsfrei belegt, aber beide Seiten pflegen sie mit Hingabe. In Lopar steht eine Statue des heiligen Marinus, und die Bucht “San Marino” zwischen Lopar und Rab-Stadt trägt seinen Namen. Die Verbindung hat auch praktische Vorteile: Die Republik San Marino und die Gemeinde Lopar pflegen eine Städtepartnerschaft, und die kleine Kirche Sv. Marin am Ortsrand von Lopar ist eine Pilgerstätte für Besucher aus dem italienischen Ministaat. Es ist ein kurioser Stolz, der hier gepflegt wird — dass eine der ältesten Republiken Europas ihren Ursprung auf dieser kleinen kroatischen Halbinsel hat.
Rapska Torta: Der Mandelkuchen mit päpstlicher Geschichte
Kein Rab-Besuch ist komplett ohne ein Stück Rapska Torta. Dieser Mandelkuchen ist das kulinarische Wahrzeichen der Insel — und seine Geschichte reicht weiter zurück, als man vermuten würde. Die Legende datiert das Rezept auf das Jahr 1177, als Papst Alexander III. auf seiner Reise von Zadar nach Venedig auf Rab Halt machte. Die Nonnen des Benediktinerinnenklosters Sv. Andrija sollen ihm zur Begrüßung einen Mandelkuchen gebacken haben, der den Papst so begeisterte, dass er der Insel besondere Privilegien verlieh.

Ob die Geschichte stimmt, ist Nebensache — das Ergebnis ist unbestreitbar gut. Die Rapska Torta besteht aus fein gemahlenen Mandeln, Zucker, Eiern, Zitronenschale und Maraschino-Likör (dem dalmatinischen Kirschlikör, der auch in Zadar eine lange Tradition hat). Der Teig enthält kein Mehl, was den Kuchen glutenfrei macht, auch wenn das 1177 noch kein Verkaufsargument war. Die Konsistenz ist dicht und saftig, der Geschmack intensiv nussig mit einer leichten Zitrusnote.
In Rab-Stadt findet man die Torta in jeder Konditorei und in den meisten Restaurants als Dessert. Die Konditorei Rab an der Riva gilt als eine der besten Adressen, dort wird das Rezept seit Generationen gehütet. Im Kloster Sv. Andrija — jenem Kloster, in dem die Torta angeblich erfunden wurde — kann man sie ebenfalls kaufen, und zwar in einer besonders traditionellen Variante. Wer ein ganzes Stück als Mitbringsel mitnehmen will, findet in den Souvenirläden vakuumverpackte Versionen, die sich einige Wochen halten. Die sind allerdings nie so gut wie frisch gebacken — also lieber vor Ort genießen.
FKK auf Rab: Wo die kroatische Freikörperkultur begann
Rab hat einen besonderen Platz in der Geschichte des europäischen Naturismus. Im August 1936 besuchte der britische König Edward VIII. die Insel mit seiner Geliebten Wallis Simpson. Das Paar bat den damaligen Bürgermeister von Rab um Erlaubnis, nackt im Meer baden zu dürfen. Die Genehmigung wurde erteilt — und damit war Rab offiziell der erste Ort an der kroatischen Küste, an dem Freikörperkultur erlaubt wurde. Wenige Monate später dankte Edward als König ab, um Wallis Simpson zu heiraten. Aber das FKK-Erbe auf Rab blieb.
Heute hat die Insel mehrere etablierte FKK-Bereiche, die von ausgewiesenen Strandabschnitten bis zu ganzen Resorts reichen. Kandalora ist die älteste FKK-Siedlung Kroatiens und liegt auf der bewaldeten Halbinsel Frkanj südlich von Rab-Stadt. Das Camp hat einen eigenen Strandabschnitt mit Felsplateaus und Leitern ins Wasser, umgeben von dichtem Pinienwald, der absolute Privatsphäre bietet. Suha Punta auf der Halbinsel gegenüber der Altstadt ist ein Naturisten-Resort mit umfassender Infrastruktur: Restaurants, Sportplätze, mehrere Strandabschnitte. Und der Sahara Beach bei Lopar ist FKK-freundlich, ohne exklusiv zu sein — hier mischen sich Textil- und FKK-Besucher in entspannter Atmosphäre.
Was Rab von anderen FKK-Destinationen unterscheidet, ist die Selbstverständlichkeit. Auf anderen kroatischen Inseln fühlt sich FKK manchmal wie eine Nische an, die toleriert wird. Auf Rab ist es Teil der Inselidentität. Das liegt nicht nur an der langen Tradition, sondern auch an der Beschaffenheit der Küste: Viele kleine Buchten, Pinienwald bis zum Wasser, natürliche Abschirmung. Die Landschaft ist wie gemacht dafür.
Alle Strände im Überblick
Rab hat für jeden Geschmack den richtigen Strand. Hier die wichtigsten im Detail, von Nord nach Süd.
Rajska Plaža (Paradiesstrand)
Der Hauptstrand, 1,5 Kilometer feiner Sand, flaches Wasser, volle Infrastruktur. Bereits ausführlich beschrieben — das Kronjuwel der Insel. Im Hochsommer voll, in der Vor- und Nachsaison ein Traum. Lage: Lopar, Nordspitze der Insel.
Sahara Beach
Direkt neben Rajska Plaža gelegen und doch eine andere Welt. Der Sahara Beach ist wilder, naturbelassener und zieht ein gemischtes Publikum aus FKK-Gästen und ruhesuchenden Badegästen an. Die Beach-Bars fehlen hier, dafür ist der Sand genauso fein und das Wasser genauso klar. Wer vom Trubel des Paradiessstrandes fliehen will, geht einfach zehn Minuten am Strand entlang Richtung Norden und landet hier. Im Hochsommer einer der angenehmsten Strände der Insel, weil sich die Massen am Rajska Plaža konzentrieren.
Ciganka
Eine kleine, versteckte Bucht auf der Nordseite der Lopar-Halbinsel, die nur zu Fuß über einen Waldweg erreichbar ist. Der Weg dauert etwa 25 Minuten ab Lopar und führt durch duftende Macchia und Pinienwald. Die Bucht selbst ist ein schmaler Sandstreifen, eingefasst von Felsen und dichter Vegetation. Keinerlei Infrastruktur — kein Kiosk, keine Liegestühle, kein Mobilfunkempfang. Dafür glasklares Wasser und das Gefühl, als einziger Mensch auf der Insel zu sein. Wasser und Sonnenschutz mitnehmen, Schatten gibt es nur am Rand unter den Bäumen.
Pudarica
Auf der gegenüberliegenden Inselseite, bei Barbat, versteckt sich der Strand Pudarica. Während Lopar die Touristen anzieht, bleibt diese Ecke der Insel überraschend ruhig. Der Strand ist eine Mischung aus Kies und Sand, das Wasser fällt etwas schneller ab als in Lopar — besser zum Schwimmen und Schnorcheln als zum Planschen mit Kleinkindern. Die felsige Umgebung bietet interessante Unterwasserlandschaften mit Seesternen und kleinen Fischschwärmen. Der nahe Pinienwald spendet natürlichen Schatten, Beach-Bars gibt es hier nicht. Pudarica ist der Strand für alle, die lieber allein als in Gesellschaft baden.
San Marino
Zwischen Lopar und Rab-Stadt liegt die Bucht San Marino, benannt nach dem Steinmetz, der angeblich hier geboren wurde und die gleichnamige Republik gründete. Kleiner als Rajska Plaža, aber mit demselben feinen Sand und flachen Wasser. Familien schätzen die überschaubare Größe — hier verliert man die Kinder nicht aus den Augen. Ein kleiner Kiosk verkauft Getränke und Snacks, sonst bleibt es naturbelassen. Der Vorteil gegenüber dem großen Nachbarn: Auch im Hochsommer findet man hier noch Platz, und die Atmosphäre ist ruhiger.
Mehr zu den besten Stränden der Kvarner Bucht haben wir in einem eigenen Artikel zusammengestellt.
Wandern: Steineichenwälder und Küstenpfade
Rab ist keine typische Wanderinsel wie der Velebit auf dem gegenüberliegenden Festland, aber die Routen, die es gibt, überraschen mit ihrer Vielfalt. Die Insel ist 22 Kilometer lang und erreicht auf dem Gipfel des Sveti Ilija 408 Meter — genug Höhenunterschied für Schweiß und Panorama.
Kalifront-Halbinsel
Das Waldgebiet Kalifront im Nordwesten der Insel ist der botanische Schatz von Rab. Hier wächst einer der letzten intakten Steineichenwälder (Quercus ilex) des Mittelmeerraums — ein dichter, immergrüner Wald, der im Sommer angenehm kühl ist, wenn der Rest der Insel in der Hitze brütet. Der Küstenweg entlang der Halbinsel ist etwa 8 Kilometer lang und führt durch wechselnde Landschaften: vom dichten Eichenwald über offene Macchia-Flächen mit Salbei und Rosmarin bis zu felsigen Buchten, in denen man unterwegs baden kann. Am Ende der Halbinsel steht ein kleiner Leuchtturm — ein guter Wendepunkt, bevor man denselben Weg zurückgeht oder über einen Höhenweg variiert. Schwierigkeitsgrad: leicht, keine Kletterei, familientauglich.
Kamenjak-Halbinsel
Nicht zu verwechseln mit dem berühmteren Kamenjak in Istrien. Die Kamenjak-Halbinsel auf Rab liegt östlich von Lopar und bietet eine wilde, zerklüftete Küstenlandschaft mit Steilklippen und versteckten Buchten. Der Rundweg über die Halbinsel dauert etwa drei Stunden und belohnt mit Ausblicken auf die Nachbarinsel Goli Otok und das offene Meer. Die Vegetation ist karger als auf Kalifront — hier dominieren Gräser, niedrige Büsche und windgeformte Kiefern. An der exponiertesten Stelle der Halbinsel, dem Kamenjak-Aussichtspunkt, kann man bei Bora-Wetter die Gischt von unten an den Klippen beobachten. An ruhigen Tagen ist es einer der friedlichsten Orte der Insel.
Sveti Ilija
Der höchste Punkt der Insel (408 Meter) bietet ein 360-Grad-Panorama: Rab zu Füßen, die Nachbarinseln Krk, Cres und Pag ringsum, das Velebit-Gebirge auf dem Festland und bei sehr klarer Sicht die Umrisse der italienischen Küste. Der Aufstieg ab Mundanije dauert etwa zwei Stunden und führt über steinige Pfade durch Macchia-Landschaft. Frühmorgens oder am späten Nachmittag starten — in der Mittagshitze gibt es keinen Schatten. Festes Schuhwerk und ausreichend Wasser sind Pflicht.
Essen und Trinken
Wo essen?
Die Restaurantszene auf Rab ist bodenständig und fischbetont. In der Altstadt von Rab-Stadt reihen sich die Konobas und Restaurants entlang der Riva und in den Seitengassen.
- Konoba Rab in der Altstadt serviert traditionelle Fischgerichte und Fleisch unter der Peka (der gusseisernen Glocke, unter der langsam geschmort wird). Die Tintenfisch-Brudet ist herausragend, Reservierung im Sommer empfohlen.
- Astoria an der Riva hat die beste Kombination aus Essen und Aussicht: Fischplatten, gegrillte Scampi und Sonnenuntergangsblick auf den Hafen.
- Labirint versteckt sich in den Gassen der Oberstadt und ist schwer zu finden, aber die Mühe lohnt sich. Kreative Interpretationen kroatischer Küche, kleinere Portionen, höhere Qualität.
- In Lopar ist die Auswahl kleiner, aber die Konoba Lučica direkt am Wasser serviert frischen Fang zu faireren Preisen als die Altstadt.
Wein
Rab hat keine große Weinproduktion, aber die Konobas schenken lokale Tropfen aus. Der Weißwein Žlahtina von der Nachbarinsel Krk — insbesondere aus dem Ort Vrbnik — ist allgegenwärtig und passt hervorragend zu Fischgerichten. Wer Rotwein bevorzugt, wird meist mit einem Teran aus Istrien oder einem Plavac Mali aus Dalmatien bedient.
Praktische Tipps
Anreise
Rab ist per Fähre von zwei Seiten erreichbar, und die Wahl hängt davon ab, woher man kommt.
Fähre Jablanac — Mišnjak (Jadrolinija): Die schnellste Verbindung, nur 15 Minuten Überfahrt. Jablanac liegt an der Küstenstraße unter dem Velebit, etwa 30 Kilometer südlich von Senj. Im Sommer fahren die Fähren alle 30-60 Minuten. Nachteil: Die Küstenstraße unter dem Velebit ist kurvig und bei Bora-Sturm gesperrt, und vor der Fähre bilden sich im Juli und August Warteschlangen von einer Stunde oder mehr. Frühmorgens oder abends anreisen, um die Schlangen zu vermeiden.
Fähre Valbiska (Krk) — Lopar: Wer von Norden über die Autobahn kommt, kann über die Insel Krk nach Rab übersetzen. Die Fähre fährt von Valbiska im Südwesten von Krk nach Lopar auf Rab. Die Überfahrt dauert etwa 90 Minuten und verkehrt seltener als die Jablanac-Verbindung (4-6 Mal täglich im Sommer). Der Vorteil: Auf der Krk-Brücke gibt es keine Wartezeiten, und man kann den Besuch von Rab mit einem Stopp auf Krk verbinden.
Katamaran Rijeka — Rab (Jadrolinija): Im Sommer gibt es eine direkte Katamaranverbindung von Rijeka nach Rab-Stadt, nur für Passagiere (kein Auto). Praktisch für alle, die ohne Auto anreisen oder einen Tagesausflug machen wollen. Die Fahrt dauert etwa zwei Stunden.
Auf der Insel unterwegs
Die Insel ist 22 Kilometer lang und 10 Kilometer breit. Ein eigenes Auto oder ein Mietwagen ist praktisch, besonders wenn man zwischen Rab-Stadt und Lopar pendeln will (die Strecke ist etwa 15 Kilometer). Wer kein Auto hat, kommt trotzdem zurecht:
- Bus: Regelmäßige Verbindung Rab-Stadt — Lopar, im Sommer stündlich
- Taxi: Verfügbar, aber auf einer Insel nie billig (Rab-Stadt — Lopar ca. 20-25 EUR)
- Fahrrad: Die Inselgröße ist ideal zum Radfahren, allerdings gibt es einige Steigungen. E-Bike-Verleih in Rab-Stadt
- Boot/Wassertaxi: Zu den abgelegeneren Stränden im Sommer verfügbar, besonders zu den Buchten, die zu Fuß schwer erreichbar sind
Unterkunft
Rab-Stadt ist die richtige Wahl für alle, die Kultur, Restaurants und Nachtleben suchen. Die Altstadt hat einige Boutique-Hotels und zahlreiche Apartments in historischen Steinhäusern. Im Sommer ist es hier am lebendigsten — und am lautesten.
Lopar ist die Basis für Strandurlauber und Familien. Hotels und Apartments liegen nah am Rajska Plaža, die Atmosphäre ist entspannter und familienorientierter. Für reine Strandferien die bessere Wahl.
Barbat und Banjol liegen zwischen Rab-Stadt und den Stränden im Süden, sind ruhiger als beide und bieten meist bessere Preise. Wer ein Auto hat und die Flexibilität schätzt, zwischen Altstadt und Strand zu pendeln, ist hier richtig.
Suha Punta und die Frkanj-Halbinsel sind die Adressen für Naturisten. Hier gibt es FKK-Resorts und -Camps mit eigenen Stränden und voller Infrastruktur.
Beste Reisezeit
Juni ist der Geheimtipp: Das Wasser ist warm genug zum Baden (22-24 Grad), die Strände sind noch nicht überlaufen, die Preise moderat und die Tage lang. Alles hat geöffnet, aber die Hochsaison-Hektik fehlt.
Juli und August bringen Hitze (30-35 Grad), volle Strände, Fährwarteschlangen und die höchsten Preise. Dafür: Das beste Nachtleben, die meisten Veranstaltungen (Ritterspiele von Rab Ende Juli), und das wärmste Wasser. Wer den Trubel mag, kommt jetzt.
September ist für viele die ideale Zeit: Das Meer hat seine Jahreshöchsttemperatur erreicht (25 Grad), die Massen sind weg, die Unterkünfte wieder bezahlbar. Die Abende werden kühler, was das Schlafen erleichtert. Einziger Nachteil: Manche Restaurants und Bars schließen Ende September.
Mai und Oktober sind für Wanderer und Ruhesuchende ideal. Baden ist möglich, aber frisch. Die Natur ist im Mai am grünsten, im Oktober färbt sich die Macchia herbstlich. Viele touristische Einrichtungen haben eingeschränkte Öffnungszeiten.
Tagesausflüge
Goli Otok
Die “Nackte Insel” gegenüber von Rab hat eine düstere Geschichte: Von 1949 bis 1989 diente sie als politisches Gefangenenlager des jugoslawischen Regimes. Heute sind die Gefängnisgebäude Ruinen, die Insel ist unbewohnt, und die Natur holt sich langsam alles zurück. Bootstouren ab Rab bringen Besucher auf die Insel, wo man die verlassenen Gebäude erkunden und an den Felsen baden kann. Die Atmosphäre ist beklemmend und faszinierend zugleich.
Krk
Per Fähre von Lopar oder mit dem Auto über Jablanac und die Küstenstraße erreichbar. Vrbnik mit seinen Klippen und dem Žlahtina-Wein, Baška mit dem berühmten Kiesstrand und die Altstadt von Krk-Stadt lohnen einen Tagesausflug. Mehr dazu im Kvarner-Guide.
Velebit
Das Velebit-Gebirge auf dem Festland gegenüber ist allgegenwärtig — man sieht es von fast jedem Punkt der Insel. Wer wandern will, nimmt die Fähre nach Jablanac und fährt von dort in den Nationalpark Paklenica, wo Schluchtenwanderungen und Kletterrouten warten.
Aktivitäten jenseits der Strände
Kajak
Die zerklüftete Küste von Rab ist ideal für Seekajak-Touren. Verleih gibt es in Rab-Stadt und Lopar, geführte Touren bringen einen zu versteckten Buchten, die vom Land aus nicht erreichbar sind. Besonders lohnend: Die Umrundung der Frkanj-Halbinsel mit Blick auf die Altstadt vom Wasser aus, oder eine Tagestour zu den unbewohnten Inselchen vor der Nordküste.
Radfahren
Rab ist überschaubar und gut für Radtouren. Die Insel hat eine Mischung aus asphaltierten Straßen und Schotterwegen, die sich für Trekking- und Gravelbikes eignen. Die Strecke Rab-Stadt — Lopar ist die Hauptroute, mit einigen Steigungen im mittleren Inselteil. Wer die Kvarner-Region mit dem Rad erkunden will, findet auf dem Festland die Route “Von der Küste zu den Bären”, die von der Kvarner-Küste ins Bärenrefugium Kuterevo im Velebit-Hinterland führt — eine ganz andere Welt als die Insel, aber nur eine Fähre entfernt.
Bootstouren
Neben Goli Otok sind auch Touren zur Nachbarinsel Grgur (ebenfalls unbewohnt), zu den versteckten Buchten der Nordküste und Ganztagesausflüge entlang der Kvarner-Inseln möglich. Die Bootsvermieter am Hafen von Rab-Stadt bieten alles von der zweistündigen Buchtenrundfahrt bis zum Ganztagesausflug mit Mittagessen an Bord.
Der perfekte Rab-Tag sieht so aus: Morgens vor neun Uhr zum Rajska Plaža, Sandburgen bauen, während der Strand noch leer ist. Mittags ein Stück Rapska Torta in einer Konditorei in Lopar. Nachmittags mit dem Auto oder Bus nach Rab-Stadt, durch die Gassen schlendern, den Turm von Sv. Marija besteigen und den Blick über die Dächer genießen. Abends gegrillten Fisch an der Riva, ein Glas Žlahtina dazu, und den Sonnenuntergang über dem Velebit beobachten, der die Berge auf dem Festland in Rosa und Gold taucht. Das ist Rab — eine Insel, die nicht laut ist, aber lange nachklingt.