Vir: Kroatiens unterschätzte Insel vor Zadar (2026)
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Die meisten Kroatien-Urlauber kennen Vir nicht. Die Insel taucht in keinem Reiseführer unter den Top 10 auf, kein Influencer hat sie zum nächsten geheimen Hotspot erklärt, und genau das ist ihr größter Vorteil. Vir liegt nur 30 Autominuten nördlich von Zadar, ist über eine Brücke mit dem Festland verbunden und bietet das, was viele Adriainseln versprechen, aber längst nicht mehr einlösen: bezahlbare Unterkünfte, leere Strände im Juni, Sonnenuntergänge ohne Handygedrängel und eine Atmosphäre, die nach Urlaub schmeckt statt nach durchorganisiertem Tourismus.

Vir ist keine Postkarteninsel. Hier gibt es keine venezianischen Paläste, keine mittelalterlichen Gassen, kein UNESCO-Welterbe. Was es gibt: 24 Kilometer Küstenlinie, über 30 Buchten, kristallklares Wasser in Türkis und Smaragd, eine Handvoll Konobas mit ehrlicher dalmatinischer Küche und einen Leuchtturm, von dem aus man bis zum Velebit-Gebirge schauen kann. Für Familien mit kleinen Kindern, für Paare, die Ruhe suchen, und für alle, die Zadar als Tagestrip machen wollen statt jeden Abend durch die Touristenmeile zu laufen, ist Vir der perfekte Standort.
Brücke statt Fähre — warum das alles verändert
Was Vir von den meisten kroatischen Inseln unterscheidet, ist ein unscheinbares Stück Beton: die 390 Meter lange Brücke, die die Insel seit 1976 mit dem Festland verbindet. Diese Brücke macht alles anders. Kein Fährfahrplan, kein Warten in der Schlange am Hafen, kein Zuschlag für das Auto. Du fährst einfach rüber, als würdest du von einem Ort zum nächsten fahren. Morgens zum Bäcker, mittags an den Strand, abends nach Zadar zum Essen — alles ohne logistischen Aufwand.

Für Familien mit Kindern ist das Gold wert. Wer schon mal mit Kleinkind, Buggy, Strandmuschel und Kühlbox auf eine Jadrolinija-Fähre gewartet hat, weiß, wovon die Rede ist. Auf Vir fährst du mit dem Auto direkt an den Strand, lädst aus, und der Tag kann beginnen. Gleichzeitig bewahrt die Insel ihren Charakter: Es gibt kein Hochhaus, kein Resort, keinen Massentourismus. Die Brücke bringt Komfort, aber keine Horden. Das liegt daran, dass Vir bis heute unter dem Radar der großen Reiseveranstalter fliegt. Die meisten Gäste sind Kroaten aus dem Landesinneren, die hier seit Jahrzehnten ihre Sommerferien verbringen, dazu Slowenen, Ungarn und zunehmend Deutsche, die durch Mundpropaganda oder Booking.com auf die Insel stoßen.
Die Anfahrt aus Zadar ist denkbar einfach: Vom Flughafen oder der Stadtmitte fährst du auf der E65 Richtung Norden, biegst bei Privlaka ab, und nach wenigen Minuten siehst du die Brücke. Wer aus Deutschland, Österreich oder der Schweiz mit dem Auto anreist, nimmt die Autobahn A1 bis Zadar und ist von dort in einer halben Stunde auf der Insel. Ein Mietwagen lohnt sich in jedem Fall — Pop Car hat günstige Angebote ab Zadar und bringt das Fahrzeug auf Wunsch direkt zum Flughafen.
Strände auf Vir: Flach, warm und familienfreundlich
Vir hat keine dramatischen Klippen, von denen man ins Meer springt, und keine versteckten Grotten, die man nur mit dem Kajak erreicht. Was Vir hat, sind flache Kiesstrände und Sandabschnitte, an denen das Wasser so seicht ist, dass Kleinkinder zwanzig Meter weit ins Meer waten können, ohne dass es über die Knie geht. Das Wasser erwärmt sich hier schneller als an der offenen Küste, weil die vorgelagerten Inseln und die flache Topografie die Strömung brechen. Ab Mitte Juni hat das Meer 24 Grad, im August oft 27.
Jadro — der Hauptstrand
Jadro ist der bekannteste Strand der Insel und liegt direkt beim Ortskern von Vir. Ein langer Kiesstrand mit betonierten Liegeflächen an den Rändern, Sonnenschirmverleih und einem Café, das passable Kaffees und Eis verkauft. Der Einstieg ins Wasser ist sanft, der Grund sandig-kieselig, das Wasser klar. Jadro füllt sich im Hochsommer, aber nie so drastisch wie die Strände in Split oder Dubrovnik. Parkplätze gibt es in Fußweite, und die kleine Promenade dahinter hat Restaurants und Minimarkets. Jadro ist kein Traumstrand im Instagram-Sinne, aber ein ehrlicher Familienstrand, an dem alles funktioniert.
Lučica — die ruhige Alternative

Wer es ruhiger mag, fährt ein paar Minuten weiter nach Lučica an der Nordwestküste. Dieser kleine Kiesstrand liegt in einer geschützten Bucht, das Wasser ist noch ruhiger als am Jadro, und die Umgebung fühlt sich wilder an. Pinien spenden natürlichen Schatten, der Boden ist eine Mischung aus feinem Kies und Felsen. Lučica eignet sich besonders für Schnorchler — entlang der Felsen am Rand der Bucht tummeln sich Seeigel, Lippfische und mit etwas Glück Tintenfische. Es gibt keine Infrastruktur außer einem kleinen Parkplatz, also Wasser und Snacks selbst mitbringen.
Biskupljak — für die Sonnenuntergangs-Jäger
Biskupljak liegt an der Westseite der Insel, und das bedeutet: freier Blick auf den Sonnenuntergang über dem offenen Meer. Der Strand selbst ist klein, eine Mischung aus Felsen und Kies, mit ein paar flachen Einstiegsstellen. Was Biskupljak besonders macht, ist die Atmosphäre am Abend. Gegen 19 Uhr im Hochsommer, wenn das Licht golden wird und die Sonne langsam hinter der Horizontlinie verschwindet, verwandelt sich dieser unscheinbare Strand in einen der romantischsten Orte Norddalmatiens. Hier sitzen dann Paare auf den warmen Felsen, Familien grillen am Rand, und Fischer fahren mit ihren Booten in der Dämmerung raus. Alfred Hitchcock hätte, wenn er Vir gekannt hätte, vielleicht gar nicht erst nach Zadar gemusst.
Kozjak und Sapavac — die Wilden
An der Südwestküste finden sich die Strände Kozjak und Sapavac, die weniger erschlossen sind und sich an Besucher richten, die bereit sind, ein paar hundert Meter über unbefestigte Wege zu laufen. Kozjak ist eine felsige Bucht mit glasklarem Wasser, umgeben von niedrigem Macchia-Gebüsch. Sapavac liegt etwas weiter südlich und bietet flache Felsplatten, die sich ideal zum Sonnenbaden eignen. Beide Strände sind im Hochsommer nie überfüllt, und wer unter der Woche kommt, hat sie nicht selten ganz für sich. Das Wasser ist hier besonders klar, weil die Strömung zwischen Vir und den vorgelagerten Felsen für konstanten Austausch sorgt. Badeschuhe sind empfehlenswert — die Seeigel leben in den Felsritzen und machen sich bei unachtsamen Tritten unangenehm bemerkbar.
Der Ort Vir: Klein, überschaubar, ehrlich
Vir-Stadt — wenn man es Stadt nennen kann — liegt im Südosten der Insel, gleich hinter der Brücke. Etwa 3.000 Einwohner leben hier das ganze Jahr über, im Sommer schwillt die Zahl auf ein Vielfaches an. Der Ortskern besteht aus einer Kirche (Sv. Juraj, dem Heiligen Georg geweiht), ein paar Geschäften, einer Apotheke, zwei Bäckereien und einer Handvoll Konobas und Pizzerien. Es gibt keinen Supermarkt-Giganten, aber einen gut sortierten Studenac-Markt und einen Konzum, die für den täglichen Bedarf reichen. Frisches Obst und Gemüse bekommt man im Sommer an den Straßenständen, die auf dem Weg von der Brücke zum Ort aufgebaut sind — Tomaten, Pfirsiche und Feigen direkt vom Erzeuger, oft für lächerlich wenig Geld.

Die Atmosphäre im Ort ist entspannt bis verschlafen. Abends sitzen die Einheimischen vor der Kirche, Kinder spielen auf dem kleinen Platz, und in den Konobas wird Fisch gegrillt, der am selben Morgen aus dem Meer gezogen wurde. Wer Nachtleben sucht, ist hier falsch — die aufregendste Abendunterhaltung ist ein Spaziergang zur Strandpromenade mit Eis in der Hand. Und genau das ist der Punkt. Vir ist ein Ort, an dem man zur Ruhe kommt, an dem der Tagesrhythmus von der Sonne bestimmt wird und nicht vom Veranstaltungskalender. Wer mehr Action will, fährt nach Zadar — und ist in 30 Minuten dort.
Essen auf Vir
Die Restaurantszene auf Vir ist klein, aber die Qualität der besten Lokale überrascht. Die Konoba Vir am Hafen serviert fangfrischen Fisch zu Preisen, die in Zadar oder Split undenkbar wären — ein ganzer gegrillter Branzino kostet hier selten mehr als 15 Euro. Die Konoba Sridnja in der Ortsmitte kocht traditionell dalmatinisch: Pašticada (geschmortes Rindfleisch mit Gnocchi), Tintenfisch-Risotto, Lammbraten unter der Peka-Glocke. Vorbestellen ist bei der Peka Pflicht, mindestens zwei Stunden vorher. Für Pizza und schnelle Gerichte gibt es die Pizzeria Lina, deren Steinofenpizza auf der Insel Kult-Status hat.
Ein Tipp, den die Einheimischen kennen: Die besten Fischplatten bekommt man nicht in den Restaurants, sondern direkt bei den Fischern am Hafen. Morgens gegen 7 Uhr kommen die Boote rein, und wer da steht, bekommt frischen Fang zum Kilopreis. Sardinen, Makrelen, manchmal Zahnbrassen oder einen Oktopus. Wer eine Ferienwohnung mit Küche hat, sollte das mindestens einmal ausprobieren. Fisch, Olivenöl, Knoblauch, Meersalz, Grill — mehr braucht ein dalmatinischer Abend nicht.
Torovi: Wo die Römer schon wussten, warum
Am südöstlichen Zipfel der Insel, nahe der Brücke, liegen die Überreste von Torovi — einer spätantiken Siedlung, die wahrscheinlich aus dem 4. oder 5. Jahrhundert stammt. Die Ruinen sind nicht spektakulär im Vergleich zu Diokletians Palast in Split oder der Arena in Pula, aber sie erzählen eine Geschichte, die man auf Vir nicht erwarten würde. Hier standen Villen, Zisternen und ein frühchristliches Kirchlein — Zeichen dafür, dass die Insel in der Antike keineswegs das verschlafene Fischernest war, als das sie heute erscheint. Die Römer schätzten die strategische Lage im Zadarer Kanal und die geschützten Buchten, die ihren Galeeren Schutz vor dem Nordwind boten.
Die Torovi-Ruinen sind frei zugänglich und liegen an einem Fußweg, der vom Ortsrand aus in etwa 15 Minuten zu erreichen ist. Informationstafeln auf Kroatisch und Englisch erklären die Fundstücke. Die meisten Touristen laufen daran vorbei — ein Fehler, denn der Ort selbst liegt auf einer kleinen Anhöhe mit Blick über den Kanal, und am späten Nachmittag, wenn das Licht schräg einfällt, wirken die alten Steine zwischen den Olivenbäumen beinahe poetisch.
Der Leuchtturm am Kap

Am nordwestlichen Ende der Insel steht ein Leuchtturm, der seit dem 19. Jahrhundert die Schiffe durch den Kanal zwischen Vir und den vorgelagerten Inseln lotst. Der Leuchtturm selbst ist nicht zu besichtigen, aber der Weg dorthin lohnt sich. Ein unbefestigter Pfad führt vom letzten Parkplatz durch niedrige Macchia, vorbei an Steinmauern und verwilderten Olivenhainen, bis man nach etwa 20 Minuten die Spitze des Kaps erreicht. Von hier aus überblickt man die gesamte Inselwelt Norddalmatiens: die kahlen Berge von Pag im Norden, die Silhouette des Velebit im Osten, die zerklüftete Küste des Festlands im Süden.
Bei klarer Sicht — und die ist hier häufiger als man denkt — reicht der Blick bis zu den Kornaten. Abends, wenn die Sonne genau in der Achse zwischen den Inseln versinkt, ist das einer der Orte, die man nicht vergisst. Kein Café, keine Bank, nur ein Fels, auf dem man sitzt, und das Meer, das unter einem rauscht. Wer den Weg bei Vollmond geht, erlebt etwas Besonderes: Das Mondlicht auf dem Wasser zwischen den dunklen Inseln hat etwas fast Unwirkliches.
Warum Vir statt Zadar?
Die Frage stellt sich falsch. Es geht nicht um Entweder-oder, sondern um die richtige Basis. Zadar ist großartig — die Meeresorgel, der Gruß an die Sonne, die römischen Ruinen, die Altstadt mit ihren Kirchen und Cafés. Aber Zadar im August ist auch: voll, laut, teuer. Ein Apartment in der Altstadt kostet leicht 120 Euro pro Nacht, ein Parkplatz in Strandnähe ist ein täglicher Kampf, und die Restaurants auf der Riva verlangen Touristenpreise.
Vir bietet die Alternative. Ein vergleichbares Apartment — zwei Schlafzimmer, Küche, Balkon mit Meerblick — kostet auf Vir 50 bis 70 Euro pro Nacht, selbst im Hochsommer. Parkplatz direkt vor der Tür, inklusive. Morgens schwimmst du im Meer, bevor die Sonne richtig brennt. Nachmittags fährst du nach Zadar, bummelst durch die Altstadt, isst eine Maraschino-Eiscreme am Forum, schaust dir die Meeresorgel an. Und abends bist du zurück auf deiner Insel, wo der Sonnenuntergang für dich allein spielt.
Besonders für Familien rechnet sich das. Zwei Wochen Vir statt zwei Wochen Zadar können 800 bis 1.000 Euro Unterschied machen — bei gleicher Strandqualität und besserer Ruhe. Die Kinder planschen in flachem Wasser, die Eltern lesen auf dem Balkon, und wenn jemand nach Abwechslung schreit, gibt es genug Ziele in Reichweite.
Tagesausflüge von Vir aus
Die Lage von Vir ist strategisch fast zu gut. Innerhalb einer Autostunde erreichst du einige der besten Ziele Norddalmatiens und darüber hinaus.
Zadar (30 Minuten)
Die naheliegendste Option und mindestens einen ganzen Tag wert. Zadar hat eine der schönsten Altstädte der Adria, kompakt genug, um sie an einem Tag zu erlaufen, aber dicht genug an Geschichte und Überraschungen, dass man gerne wiederkommt. Die Meeresorgel und der Gruß an die Sonne am Ufer der Halbinsel sind abends ein Muss. Tagsüber lohnen sich das Archäologische Museum, die Kirche Sv. Donat aus dem 9. Jahrhundert und ein Bummel durch die Kalelarga, Zadars Hauptgasse. Parken am besten am Rand der Altstadt (Parkplatz Jazine oder Viševica) und zu Fuß weitergehen.
Nin (20 Minuten)

Noch näher als Zadar und ein Pflichtbesuch. Nin war einst die Hauptstadt des kroatischen Königreichs und beherbergt die kleinste Kathedrale der Welt — die Kirche des Heiligen Kreuzes aus dem 9. Jahrhundert. Heute ist Nin vor allem für seinen Sandstrand Königin bekannt (Kraljičina plaža), einen der wenigen echten Sandstrände Kroatiens. Das Wasser ist flach, warm und perfekt für Kleinkinder. Direkt daneben liegen die Salzwiesen, in denen seit der Römerzeit Salz gewonnen wird. Man kann die Saline besichtigen und im Souvenirladen das berühmte Niner Salz kaufen — das Blume-des-Salzes (Fleur de Sel) aus Nin gilt als eines der besten der Welt und kostet einen Bruchteil dessen, was französisches Fleur de Sel in Deutschland kostet. Wer sich traut, kann den Heilschlamm am Nordende des Strandes ausprobieren: schwarz, stinkend, angeblich gut für die Haut.
Insel Pag (45 Minuten)
Über die Brücke bei Posedarje erreichst du die Insel Pag in unter einer Stunde. Die Mondlandschaft der Ostküste, der berühmte Paški Sir (Schafskäse), die Spitzenstickerei in der Altstadt von Pag und — für die Feierlustigen — der Zrće Beach mit seinen Clubs. Pag lässt sich gut als Tagesausflug kombinieren: morgens die Altstadt und eine Käseverkostung, nachmittags Baden am Zrće oder an einer der wilden Buchten der Westküste.
Paklenica-Nationalpark (1 Stunde)
Für alle, die nicht nur am Strand liegen wollen: Der Nationalpark Paklenica am Fuß des Velebit ist eines der besten Klettergebiete Europas und bietet Wanderwege für jedes Niveau. Die Velika Paklenica-Schlucht ist auch ohne Klettererfahrung begehbar — ein gut markierter Pfad führt durch die enge Schlucht mit 400 Meter hohen Felswänden hinauf zur Berghütte Paklenica. Für die Wanderung sollte man 3 bis 4 Stunden einplanen, feste Schuhe sind Pflicht. Die Eintrittsgebühr liegt bei 8 Euro pro Person (Stand 2025).
Kornaten per Boot
Von Murter oder Biograd aus starten Bootstouren zu den Kornaten-Inseln, dem vielleicht spektakulärsten Archipel der Adria. Die Ganztagestouren kosten zwischen 40 und 60 Euro pro Person, inklusive Mittagessen (meist Fischgrill auf einer der Inseln) und Badepausen in Buchten mit absurd klarem Wasser. Von Vir aus fährst du etwa 40 Minuten bis Biograd, wo die meisten Touren starten.
Mit dem Rad das Hinterland entdecken
Wer ein Fahrrad dabeihat oder sich eines ausleiht, findet rund um Vir überraschend gutes Terrain. Die Insel selbst ist in ein bis zwei Stunden umrundet — flach, windexponiert, aber mit schönen Ausblicken. Spannender wird es auf dem Festland. Die Ravni Kotari, das flache Hinterland zwischen Zadar und Benkovac, sind ein Patchwork aus Olivenhainen, Weinbergen, Steindörfern und Feldwegen, die kaum ein Tourist je gesehen hat.
Wer es etwas ambitionierter mag: Eine 70-Kilometer-Trekking-Tour führt von Zadar ins dalmatinische Hinterland, vorbei an Trockenmauern und Karstlandschaften, die sich seit Jahrhunderten kaum verändert haben. Die Route steigt auf 870 Höhenmeter und belohnt mit weiten Horizonten über eine Landschaft, die das genaue Gegenteil der Küste ist: still, steinig, menschenleer. GPX-Datei inklusive, damit du dich auf den Nebenwegen nicht verfährst.
Unterkünfte: Apartments dominieren
Auf Vir gibt es kein Fünf-Sterne-Hotel. Es gibt überhaupt kaum Hotels. Die Insel lebt von privaten Ferienwohnungen und Apartments, die von den Einheimischen vermietet werden. Das ist kein Nachteil — die Qualität vieler Apartments ist erstaunlich hoch, mit moderner Ausstattung, Klimaanlage, voll eingerichteter Küche und oft einem Balkon oder einer Terrasse mit Meerblick.
Die Preise bewegen sich im Hochsommer (Juli/August) zwischen 50 und 90 Euro pro Nacht für ein Apartment mit zwei Schlafzimmern. In der Vor- und Nachsaison (Juni, September) fallen die Preise auf 35 bis 55 Euro. Booking.com und Airbnb haben die größte Auswahl, aber es lohnt sich auch, auf Njuškalo (dem kroatischen Kleinanzeigenportal) zu schauen, wo Vermieter ohne Provisionsgebühren inserieren und die Preise entsprechend niedriger sind.
Was bei der Buchung zu beachten ist: Vir hat im Hochsommer Wasserknappheit. Die Insel wird über eine Leitung vom Festland versorgt, und bei voller Auslastung kann der Druck schon mal schwächeln. Die meisten neueren Apartments haben Wassertanks auf dem Dach, die das kompensieren, aber in älteren Gebäuden kann es nachmittags eng werden. Bei der Buchung nachfragen, ob ein Tank vorhanden ist, oder einfach einen Wasserkanister als Backup mitnehmen.
Praktisches für den Alltag
Einkaufen: Der Studenac-Markt und ein kleiner Konzum in Vir-Stadt decken den Grundbedarf. Für größere Einkäufe (und deutlich bessere Preise) lohnt sich die Fahrt zum Lidl oder Kaufland in Zadar. Donnerstags findet auf dem Festland in Privlaka ein kleiner Wochenmarkt statt, auf dem Bauern Obst, Gemüse und Käse verkaufen.
Geld: Es gibt zwei Geldautomaten auf der Insel (beide am Ortskern). Kroatien hat seit 2023 den Euro, also kein Geldwechsel nötig. Kartenzahlung funktioniert in den meisten Restaurants und Geschäften, aber bei Straßenständen und kleinen Vermieterinnen lieber Bargeld dabeihaben.
Medizinische Versorgung: Eine kleine Ambulanz im Ort ist im Sommer täglich besetzt. Für ernstere Fälle das Krankenhaus in Zadar (Opća bolnica Zadar), das in 30 Minuten erreichbar ist. Apotheke gibt es eine im Ort, die Öffnungszeiten sind allerdings begrenzt — im Zweifel Medikamente aus Zadar mitbringen.
Internet und Telefon: Die Mobilfunkabdeckung auf Vir ist gut, 4G funktioniert überall auf der Insel. Die meisten Apartments bieten WLAN an. Seit 2017 fallen innerhalb der EU keine Roaming-Gebühren an — das gilt auch für Kroatien.
Anreise mit dem Flugzeug: Der Flughafen Zadar wird von mehreren deutschen Flughäfen direkt angeflogen (Ryanair, Eurowings, Lufthansa im Sommer). Vom Flughafen bis Vir sind es 40 Kilometer, also etwa 35 Minuten mit dem Mietwagen. Öffentliche Busse fahren nur bis Zadar, nicht bis Vir — ein Mietwagen ist also fast zwingend.
Wann nach Vir?
Die Saison auf Vir ist kurz und intensiv. Von Mitte Juni bis Anfang September ist die Insel lebendig, die Restaurants offen, das Meer warm genug zum Baden. Die beste Zeit für Familien ist die zweite Junihälfte und die erste Septemberwoche: warmes Wasser, moderate Temperaturen (25-30 Grad), keine Menschenmassen, günstigere Preise.
Im Juli und August wird es voll — nicht überfüllt wie Dubrovnik, aber die besten Strände sind ab 11 Uhr gut besucht, und die Apartments kosten ein Drittel mehr. Wer im August kommt, sollte früh buchen (März/April) und die Morgenstunden am Strand nutzen, bevor die Hitze drückt.
Vor Juni und nach September herrscht Stille. Die meisten Restaurants schließen, die Apartments stehen leer, der Ort schrumpft auf seine 3.000 Dauerbewohner zusammen. Wer Ruhe sucht und aufs Baden verzichten kann, findet dann eine Insel, die sich anfühlt wie ein vergessener Ort am Ende der Welt — rau, leer, ehrlich schön. Wandern, Radfahren und die Tagesausflüge ins Hinterland funktionieren auch außerhalb der Saison hervorragend.
Was Vir nicht ist
Ehrlichkeit gehört zu einem guten Reiseführer, also hier die Dinge, die man wissen sollte, bevor man bucht. Vir hat kein Nachtleben. Es gibt keine Bar, die nach Mitternacht offen hat, keinen Club, keine Livemusik außer gelegentlich beim Dorffest im August. Wer abends mehr will als einen Spaziergang und ein Glas Wein auf dem Balkon, muss nach Zadar fahren.
Vir hat auch keine architektonische Schönheit im klassischen Sinn. Der Ortskern ist zweckmäßig, die meisten Häuser stammen aus den 1970er und 80er Jahren, als der Tourismus begann und schnell gebaut wurde. Es gibt keinen malerischen Hafen wie in Rovinj, keine verwinkelten Gassen wie in Dubrovnik. Die Schönheit von Vir liegt in der Natur — im Meer, in den Buchten, in den Sonnenuntergängen, im Blick auf das Velebit-Gebirge, das sich am Horizont auftürmt wie eine Mauer zwischen Küste und Kontinent.
Und die Bora: Der Nordwind kann auf Vir unangenehm werden. Die Insel liegt exponiert im Zadarer Kanal, und wenn die Bora bläst — was im Frühling und Herbst häufiger vorkommt — sind die Nordstrände unbenutzbar. Im Sommer ist die Bora selten, aber wenn sie kommt, weicht man einfach an die geschützten Buchten der Südwestseite aus. Die Einheimischen wissen genau, welcher Strand bei welchem Wind funktioniert — im Zweifel im Apartment oder in der Konoba nachfragen.
Vir in drei Tagen: Ein möglicher Plan
Tag 1: Ankommen, auspacken, den nächsten Strand finden. Nachmittags den Ort erkunden, im Studenac einkaufen, abends Fisch in der Konoba Vir bestellen und den Sonnenuntergang vom Hafen aus anschauen.
Tag 2: Vormittags zum Leuchtturm am Kap wandern (hin und zurück zwei Stunden, leicht). Nachmittags Baden am Lučica oder Biskupljak. Abends nach Nin fahren — Salzwiesen im Abendlicht, dann Abendessen in Nin.
Tag 3: Ganztagesausflug nach Zadar. Morgens Altstadt, Kirche Sv. Donat, Forum, Archäologisches Museum. Mittags Mittagspause am Fosa-Hafen. Nachmittags Kalelarga bummeln, Maraschino-Likör kaufen. Abends Meeresorgel und Sonnenuntergang, dann zurück nach Vir.
Wer eine Woche oder länger bleibt, ergänzt um Pag, Paklenica, eine Bootstour zu den Kornaten und mindestens einen Tag, an dem man gar nichts tut außer im flachen Wasser zu sitzen und auf das Velebit-Gebirge zu schauen. Das klingt nach wenig. Es ist genug.