Lastovo: Kroatiens abgelegenste Insel mit den dunkelsten Himmeln (2026)
Inhalt
Lastovo ist nicht einfach eine weitere kroatische Insel. Lastovo ist ein Statement. Wer hierher kommt, hat sich bewusst entschieden: gegen Komfort, gegen Erreichbarkeit, gegen alles, was Tourismus normalerweise ausmacht. Dafür bekommt man etwas, das es an der Adria fast nirgendwo mehr gibt – eine Insel, die sich nicht um Besucher schert. 792 Einwohner, verteilt auf ein Dutzend Dörfer. Kein einziges Hotel. Keine Ampel, kein Geldautomat (es gibt genau einen, und der streikt regelmäßig), kein Nachtleben. Dafür: die dunkelsten Himmel im gesamten Mittelmeerraum, Buchten, in denen du tagelang keinen anderen Menschen triffst, und eine Stille, die fast bedrohlich wirkt, wenn du sie nicht gewohnt bist.

Die Insel liegt 90 Kilometer von der kroatischen Küste entfernt, weiter draußen als alles andere, was bewohnt ist. Zusammen mit den 46 umliegenden Inselchen und Riffen bildet Lastovo seit 2006 den Naturpark Lastovo-Archipel – den jüngsten Naturpark Kroatiens und einen der am wenigsten besuchten. Während auf Hvar im August die Yachten Schlange stehen und auf Brač die Strände überquellen, passiert auf Lastovo: nichts. Und genau das ist der Punkt.
So kommst du hin – und warum du planen musst
Die Anreise nach Lastovo ist der erste Filter. Wer spontan kommt, kommt nicht an. Es gibt keinen Flughafen, keine Privatfähren, keine Schnellboote auf Abruf. Zwei Optionen, beide ab Split, beide mit eingeschränktem Fahrplan.
Katamaran Split–Hvar–Vela Luka–Lastovo
Der Jadrolinija-Katamaran fährt von Split über Hvar Stadt und Vela Luka (Korčula) nach Ubli auf Lastovo. Fahrzeit: etwa 3,5 bis 4 Stunden, je nach Zwischenstopps. Im Sommer (Juni bis September) fährt der Katamaran täglich, in der Nebensaison nur an bestimmten Wochentagen – manchmal nur drei- oder viermal pro Woche. Die genauen Abfahrtszeiten ändern sich jedes Jahr, also unbedingt direkt auf jadrolinija.hr prüfen, bevor du irgendetwas buchst.
Der Katamaran nimmt keine Autos mit. Nur Passagiere und Handgepäck. Das Ticket kostet etwa 15–20 € pro Strecke (Stand 2025), online buchen ist möglich und ratsam – im Hochsommer sind die Plätze begrenzt, und wer ohne Ticket am Hafen steht, fährt im schlimmsten Fall nicht mit.

Autofähre Split–Ubli
Wer ein Auto braucht (und auf Lastovo ist ein Auto tatsächlich nützlich, dazu später mehr), nimmt die Autofähre von Split nach Ubli. Fahrzeit: gut 5 Stunden, manchmal länger. Die Fähre fährt seltener als der Katamaran – in der Hauptsaison meist einmal täglich, im Winter teilweise nur jeden zweiten Tag. Die Überfahrt kostet für ein Auto mit zwei Personen etwa 50–60 €. Auf dieser Route gibt es keinen Zwischenstopp – du fährst direkt von Split über die offene Adria nach Lastovo, und bei Südwind kann das eine sportliche Angelegenheit werden. Wer seekrank wird, nimmt Tabletten. Ernst gemeint.
Was du wissen musst:
- Beide Verbindungen starten und enden in Ubli, dem einzigen Fährhafen auf Lastovo
- Die letzte Fähre zurück fährt oft am frühen Nachmittag – verpass sie, und du sitzt fest (was kein Drama ist, wenn du eine Unterkunft hast)
- In der Nebensaison (Oktober bis Mai) ist der Fahrplan so dünn, dass du deinen gesamten Aufenthalt um die Fährzeiten herum planen musst
- Buche Rückfahrt und Unterkunft gleichzeitig – auf Lastovo improvisiert man nicht
Über Korčula oder Hvar
Eine Alternative: Mit dem Boot oder der Fähre erst nach Vela Luka auf Korčula, dort übernachten, und am nächsten Tag den Katamaran nach Lastovo nehmen. Das bricht die lange Anreise auf und gibt dir die Chance, zwei Inseln zu kombinieren. Von Vela Luka nach Ubli sind es nur noch etwa 45 Minuten mit dem Katamaran.
Ubli: Der Hafen am Ende der Welt
Ubli ist kein Ort, an dem man bleibt. Es ist ein Fährhafen, ein paar Häuser, eine Bar, ein kleiner Laden. Wer hier ankommt, steigt in ein Auto, auf einen Roller oder in den Minibus, der manchmal (nicht immer) die Fährankunft mit Lastovo Stadt verbindet. Der öffentliche Nahverkehr auf der Insel ist praktisch nicht existent – es gibt einen Bus, aber sein Fahrplan ist so unregelmäßig, dass du dich nicht darauf verlassen kannst.
Am Hafen gibt es einen kleinen Supermarkt (Studenac), der das Nötigste hat. „Das Nötigste” heißt: Brot, Wasser, Bier, Konserven, ein paar Obst- und Gemüsesorten. Wer spezielle Ernährungsbedürfnisse hat oder nicht jeden Tag das Gleiche essen will, bringt Vorräte vom Festland mit. Das ist kein Scherz – auf Lastovo gibt es keinen Metzger, keinen Bäcker, keinen Wochenmarkt. Was die Fähre bringt, ist da. Was sie nicht bringt, fehlt.
Von Ubli nach Lastovo Stadt sind es etwa 8 Kilometer über eine schmale, kurvige Straße durch Kiefernwald und Macchia. Ohne Auto dauert das zu Fuß anderthalb Stunden – machbar, aber mit Gepäck kein Vergnügen. Mietwagen gibt es auf der Insel kaum, aber einige Vermieter bieten Roller an. Am besten vorher mit deiner Unterkunft absprechen, ob sie einen Transfer organisieren kann.
Lastovo Stadt: Das Amphitheater und die Schornsteine
Lastovo Stadt liegt nicht am Meer. Das ist das Erste, was überrascht. Während fast jeder kroatische Ort am Wasser klebt, hat sich Lastovo vor Jahrhunderten bewusst ins Landesinnere zurückgezogen – aus Angst vor Piraten. Die Häuser staffeln sich in einem natürlichen Amphitheater den Hang hinauf, mit Blick nach Norden, weg vom offenen Meer, geschützt durch den Hügel dahinter. Von unten betrachtet sieht die Stadt aus wie ein antikes Theater: Reihe um Reihe steigen die Steinhäuser empor, durchbrochen von schmalen Gassen und Treppen.

Und dann sind da die Schornsteine. Die Fumari sind Lastovos architektonisches Markenzeichen und einzigartig in der gesamten Adria. Jedes alte Haus trägt einen kunstvoll gestalteten Schornstein – manche zylindrisch, manche pyramidenförmig, manche mit durchbrochenen Ornamenten wie Spitzenmuster aus Stein. Kein Fumari gleicht dem anderen. Die Tradition geht bis ins 15. Jahrhundert zurück, als die Familien über die Pracht ihrer Schornsteine ihren Wohlstand zeigten. Heute sind die Fumari als UNESCO-Kandidat im Gespräch, und wenn du durch Lastovo Stadt schlenderst, wirst du automatisch den Kopf nach oben recken. Es gibt über 20 historische Fumari, und ein kleiner Rundgang durch die Gassen dauert etwa eine Stunde.
In der Stadt selbst findest du die Pfarrkirche Sv. Kuzma i Damjan (Heilige Cosmas und Damian) aus dem 14. Jahrhundert, deren Inneres überraschend reich ausgestattet ist – venezianische Altarbilder, barocke Holzschnitzereien und eine bemerkenswerte Sammlung religiöser Kunst, die man auf einer so kleinen Insel nicht erwartet. Über der Stadt thront das Kastell (Kaštel), eine französische Festung aus napoleonischer Zeit, von deren Mauern der Blick über die gesamte Insel und bei klarer Sicht bis nach Korčula reicht.
Was Lastovo Stadt nicht hat: Souvenirläden, Touristenbüros, Eisdielen. Es gibt ein, zwei Cafés, eine Konoba, einen Laden. Die Katzen schlafen auf den warmen Steintreppen, und der einzige Lärm kommt von den Grillen.
Skrivena Luka: Der versteckte Hafen
Der Name sagt alles. Skrivena Luka – wörtlich „versteckter Hafen” – ist eine Bucht an der Südseite der Insel, die vom offenen Meer aus praktisch unsichtbar ist. Zwei schmale Landzungen umschließen das Wasser wie schützende Arme, und der Eingang ist so eng, dass man ihn erst sieht, wenn man direkt davor steht. Piraten hätten diese Bucht nie gefunden, und genau das war der Sinn: Skrivena Luka diente Jahrhunderte lang als sicherer Ankerplatz bei Sturm.

Heute ist die Bucht einer der schönsten Orte auf Lastovo. Das Wasser ist spiegelglatt, die Ufer dicht bewaldet, und am Ende der Bucht steht eine Handvoll Steinhäuser zwischen Pinien und Oleander. Es gibt ein Restaurant (Konoba Triton, dazu weiter unten mehr) und ein paar Apartments. Sonst nichts. Wer hier ein paar Tage verbringt, bekommt eine Vorstellung davon, wie die dalmatinische Küste vor hundert Jahren ausgesehen haben muss.
Die Bucht eignet sich hervorragend zum Schwimmen und Schnorcheln – das Wasser ist klar, der Grund felsig mit Seegraswiesen, und Fische gibt es reichlich. Am östlichen Ufer führt ein Pfad zu einer kleinen Felsbucht, die so abgelegen ist, dass du dort oft stundenlang allein bist.
Von Lastovo Stadt nach Skrivena Luka sind es nur 4 Kilometer über eine schmale Straße durch dichten Wald. Zu Fuß etwa 45 Minuten, mit dem Auto oder Roller zehn.
Strände und Buchten
Lastovo hat keine langen Sandstrände. Was es hat, sind Dutzende von Felsbuchten, kristallklares Wasser und absolute Abgeschiedenheit. Die meisten Buchten sind nur zu Fuß oder per Boot erreichbar, und genau das macht sie so besonders.
Saplun auf Mljet – Moment, falsch? Nein: Saplun bei Lastovo
Nicht zu verwechseln mit Saplunara auf Mljet: Saplun ist eine winzige Insel im Lastovo-Archipel mit einem der rarsten Dinge an der kroatischen Adria – einem echten Sandstrand. Die Insel ist unbewohnt, es gibt keine Infrastruktur, keinen Schatten außer dem, den du selbst mitbringst, und keinen regelmäßigen Bootsverkehr. Du kommst nur mit einem gecharterten Boot, einem Taxiboot oder einem eigenen Kajak hierher. Und genau das macht Saplun aus: weißer Sand, türkisfarbenes Wasser, und mit etwas Glück bist du der einzige Mensch weit und breit.

Der Strand liegt in einer geschützten Bucht auf der Nordseite der Insel, das Wasser ist flach und warm – perfekt zum Waten und Schnorcheln. Bring alles mit: Wasser, Essen, Sonnenschutz, und nimm alles wieder mit. Es gibt keine Mülleimer und keinen Kiosk. Das ist Natur pur in ihrer reinsten Form.
Mihajla
Mihajla liegt an der Nordwestküste von Lastovo, erreichbar über einen Feldweg von Lastovo Stadt. Kieselstrand, klares Wasser, ein paar Bäume für Schatten. Einfacher zu erreichen als Saplun und trotzdem selten überlaufen. An Sommerwochenenden baden hier die Einheimischen – ein gutes Zeichen.
Zaklopatica
Die Bucht Zaklopatica an der Nordküste ist eher ein Dorf als ein Strand – ein paar Häuser, ein Restaurant, ein kleiner Kai. Aber das Wasser hier gehört zu den klarsten, das du an der Adria finden wirst. Felsplatten bieten Einstiege zum Schwimmen, und abends sitzen die Fischer auf der Mole und reparieren ihre Netze. In Zaklopatica steht auch die Konoba Augusta Insula, eines der besten Restaurants der Insel.
Weitere Buchten
Wer ein Boot mieten kann (frag in deiner Unterkunft), erschließt sich ein ganzes Universum an Buchten: Velo Lago, Kremena, Pasadur an der Westspitze der Insel. Jede Bucht ist anders, aber alle haben eines gemeinsam: Du bist allein. Auf Lastovo teilt man sich das Meer nicht.
Naturpark Lastovo-Archipel
Seit 2006 stehen die Insel Lastovo und die 46 umliegenden Inseln, Inselchen und Riffe unter Naturschutz. Der Naturpark Lastovo-Archipel umfasst eine Fläche von 196 Quadratkilometern, davon fast 143 Quadratkilometer Meer. Der Eintritt kostet etwa 4–5 € pro Person und Tag (Stand 2025). Die Naturparkgebühr wird manchmal bei der Ankunft auf der Fähre kassiert, manchmal in der Unterkunft – es ist alles etwas improvisiert, wie vieles auf Lastovo.

Die Insel ist zu über 70 Prozent bewaldet – Aleppo-Kiefern, Steineichen, Macchia. Die Vegetation ist üppiger als auf den meisten dalmatinischen Inseln, weil Lastovo mehr Niederschlag bekommt und nie intensiv landwirtschaftlich genutzt wurde. Im Frühling duftet die ganze Insel nach wildem Rosmarin, Salbei, Lavendel und Immortelle. Im Herbst reifen die Oliven in den verwilderten Hainen.
Wanderwege
Es gibt mehrere markierte Wanderwege, auch wenn „markiert” auf Lastovo manchmal nur heißt, dass alle paar hundert Meter ein Farbklecks an einem Stein klebt. Wanderkarten bekommst du im Naturpark-Büro in Ubli oder online auf pp-lastovo.hr.
Hum (417 m): Der höchste Punkt der Insel. Der Aufstieg von Lastovo Stadt dauert etwa eineinhalb Stunden durch Kiefernwald und offene Karstlandschaft. Oben steht eine kleine Kapelle und ein Sendemast – aber der Blick ist atemberaubend. Bei klarer Sicht siehst du Vis, Korčula, Mljet und die Berge des Festlands. An besonders guten Tagen sogar die Umrisse Italiens. Am besten bei Sonnenuntergang gehen – aber eine Taschenlampe für den Rückweg einpacken, denn auf Lastovo gibt es keine Straßenbeleuchtung, und im Wald wird es stockfinster.
Leuchtturm Struga: Am südöstlichen Kap der Insel steht der Leuchtturm Struga, ein weißer Turm auf dramatischen Klippen über dem offenen Meer. Die Wanderung dorthin führt über die wilde Südküste der Insel, vorbei an aufgelassenen Weinbergen und durch duftende Macchia. Etwa zwei Stunden von Lastovo Stadt, und am Ziel einer der einsamsten Orte, die du in Kroatien finden kannst. Der Leuchtturm selbst kann als Ferienunterkunft gemietet werden – dazu weiter unten mehr.
Küstenpfad Pasadur–Ubli: Etwa 6 Kilometer entlang der Westküste, vorbei an kleinen Buchten und durch Kiefernwald. Leicht bis mittelschwer, auch für Familien machbar.
Die dunkelsten Himmel des Mittelmeers
Hier wird es magisch. Lastovo hat laut der International Dark-Sky Association einen der dunkelsten Nachthimmel in ganz Europa. Keine Großstadt in der Nähe, keine Industrieanlagen, keine Autobahnbeleuchtung, kaum Straßenlaternen auf der Insel selbst. Wenn die Sonne untergeht, wird es auf Lastovo so dunkel, wie es vor der Erfindung der Elektrizität überall war.

Was bedeutet das konkret? Du siehst die Milchstraße als breites, leuchtendes Band über dem Himmel – nicht als blassen Schimmer wie in Mitteleuropa, sondern als dreidimensionale Struktur mit Dunkelwolken, Sternenfeldern und einer Tiefe, die dir den Atem nimmt. Sternschnuppen fallen im Minutentakt. Die Planeten leuchten so hell, dass sie Schatten werfen. Und in mondlosen Augustnächten, wenn die Perseiden ihren Höhepunkt erreichen, setzt du dich einfach auf die Klippen über dem Meer und schaust zu, wie der Himmel explodiert.
Die besten Plätze zum Sterne schauen sind die Südküste (kein Streulicht von anderen Inseln), der Gipfel des Hum und die Umgebung des Leuchtturms Struga. Bring eine Decke, eine Thermoskanne und etwas zu essen mit. Eine Stirnlampe mit Rotlicht hilft, die Nachtsicht zu erhalten. Und lass das Handy aus – das Bildschirmlicht ruiniert alles.
Die beste Jahreszeit für Sternbeobachtung ist Juli bis September, wenn die Milchstraße am höchsten steht und die Nächte warm genug sind, um stundenlang draußen zu sitzen. Wer sich mit Astronomie nicht auskennt, lädt sich vorher eine Sternkarten-App herunter (SkyView, Stellarium) – aber ehrlich gesagt brauchst du keine App. Du brauchst nur nach oben zu schauen.
Tauchen in unberührten Gewässern
Die Unterwasserwelt rund um Lastovo gehört zu den besten der gesamten Adria – und gleichzeitig zu den am wenigsten betauchten. Während vor Vis und Korčula im Sommer täglich Dutzende Tauchboote operieren, gibt es auf Lastovo nur eine Handvoll Tauchbasen, und die Tauchplätze haben keine Warteschlangen. Das Wasser ist spektakulär klar – Sichtweiten von 30 bis 40 Metern sind keine Seltenheit, und die Fischpopulationen sind dichter als anderswo, weil der Angeldruck durch die Abgeschiedenheit geringer ist.
Rund um den Archipel liegen Steilwände, die von der Oberfläche bis auf 60 Meter und tiefer abfallen, überzogen mit roten Gorgonien und gelben Schwämmen. Zackenbarsche, die anderswo selten geworden sind, stehen hier noch in Gruppen in den Felsspalten. Barrakudaschwärme ziehen vorbei, Langusten verstecken sich unter Überhängen, und in den Seegraswiesen zwischen den Inseln jagen Tintenfische.
Für Wracktaucher gibt es im Archipel mehrere versunkene Schiffe, darunter ein italienisches Frachtwrack aus dem Zweiten Weltkrieg. Die genauen Positionen erfährst du bei den lokalen Tauchbasen – die Betreiber kennen jedes Riff und jede Spalte und führen kleine Gruppen zu Plätzen, die in keinem Tauchführer stehen.
Essen auf Lastovo: Wenige Restaurants, aber die richtigen
Die Gastronomie auf Lastovo ist überschaubar – und genau deswegen gut. Kein Massentourismus bedeutet: keine Touristenfallen, keine aufgewärmte Pizza, kein overpriced Cappuccino. Was es gibt, ist ehrliche dalmatinische Küche, oft aus dem eigenen Garten und dem Meer vor der Tür.
Konoba Augusta Insula in Zaklopatica ist das kulinarische Highlight der Insel. Der Name erinnert an den römischen Kaiser Augustus, der die Insel als Verbannungsort nutzte. Das Restaurant liegt direkt am Wasser, die Tische stehen auf einer Terrasse über dem Meer, und die Spezialität ist fangfrischer Fisch – gegrillt, mit Olivenöl, Knoblauch und ein paar Kartoffeln. Kein Schnickschnack. Dafür schmeckst du das Salz des Meeres und die Sonne auf der Haut. Der Jastog (Hummer) ist die Krönung – auf Lastovo fangen die Fischer noch mit traditionellen Reusen, und wenn Hummer auf der Karte steht (nicht immer), bestellst du ihn. Preise für Fisch und Meeresfrüchte liegen bei 15–30 € pro Person, der Hummer ist deutlich teurer, aber jeden Cent wert.

Konoba Triton in Skrivena Luka ist die zweite Adresse, die du kennen musst. Direkt an der versteckten Bucht gelegen, serviert Triton gegrillten Fisch, schwarzes Risotto mit Tintenfisch und hausgemachte Pasta. Die Atmosphäre abends, wenn die Bucht im Mondlicht liegt und das einzige Geräusch das leise Plätschern des Wassers ist, lässt sich nicht in Worte fassen.
Fumari in Lastovo Stadt bietet gehobene dalmatinische Küche in einem renovierten Steinhaus. Etwas formeller als die Konobas, aber die Qualität stimmt. Reservierung empfohlen – bei so wenigen Restaurants auf der Insel sind die Plätze schnell vergeben.
Generell gilt: Reserviere immer, ruf vorher an, und sei flexibel. Manche Restaurants schließen spontan, wenn der Fang schlecht war oder der Koch keine Lust hat. Das ist Lastovo.
Lastovski Karneval: Einer der ältesten Europas
Jedes Jahr im Februar oder März (je nach Faschingskalender) feiert Lastovo seinen Karneval – und das seit mindestens 500 Jahren, wahrscheinlich länger. Der Lastovski Karneval ist einer der ältesten erhaltenen Karnevalsbräuche in ganz Europa und hat mit dem, was du aus Venedig oder Köln kennst, absolut nichts gemein.
Im Mittelpunkt steht der Poklad – eine Strohpuppe, die einen Piraten darstellt. Die Figur wird auf einem Esel durch die Stadt geführt, verspottet, zum Tode verurteilt und schließlich verbrannt. Das Ritual erinnert an einen angeblichen Piratenangriff im 15. Jahrhundert, den die Lastovaner abwehrten. Drei Tage lang wird gefeiert, getanzt, getrunken und gegessen. Die gesamte Insel – alle 792 Einwohner – ist auf den Beinen. Besucher sind willkommen, aber sei gewarnt: Die Fähren sind um die Karnevalszeit ausgebucht, und Unterkünfte ebenso. Wer das erleben will, bucht Monate im Voraus.
Das Besondere am Lastovski Karneval ist seine Unverfälschtheit. Hier wird nicht für Touristen aufgeführt. Es gibt keine Tribünen, keine VIP-Bereiche, keine Eintrittskarten. Die Inselbewohner feiern ihr eigenes Fest, und du darfst dabei sein. Das ist ein Unterschied, den man spürt.
Übernachten auf Lastovo
Vergiss Hotels. Es gibt keines. Keine Hotelkette hat je den Fuß auf Lastovo gesetzt, und wenn es nach den Einwohnern geht, bleibt das auch so. Was es gibt: private Apartments und Ferienwohnungen, ein paar Pensionen (Sobe), und den Leuchtturm Struga.
Die Apartments verteilen sich über die ganze Insel – in Lastovo Stadt, in Ubli, in Skrivena Luka, in Zaklopatica, in Pasadur. Die meisten sind einfach, sauber und preiswert (40–80 € pro Nacht für zwei Personen). Gebucht wird über Booking.com oder direkt beim Vermieter – auf einer Insel mit 800 Einwohnern kennt jeder jeden, und Mundpropaganda funktioniert besser als jede Plattform.
Der Leuchtturm Struga ist die spektakulärste Unterkunft: ein funktionierender Leuchtturm auf den Klippen der Südküste, umgebaut zu Ferienwohnungen. Kein WLAN (manchmal), kein Fernsehen, kein Nachbar. Dafür: der dunkelste Himmel der Adria direkt über deinem Kopf und das offene Meer unter deinen Füßen. Wochenlang im Voraus ausgebucht, vor allem im Sommer.
Wichtig: Im August sind die wenigen Unterkünfte schnell voll. Buche mindestens zwei bis drei Monate im Voraus. In der Nebensaison ist es entspannter, aber auch riskanter – manche Vermieter schließen ab Oktober komplett.
Was du mitbringen musst
Das ist keine rhetorische Überschrift. Auf Lastovo gibt es zwei Mini-Supermärkte mit begrenztem Sortiment. Alles, was über Grundnahrungsmittel hinausgeht, bringst du mit.
Pack unbedingt ein:
- Bargeld – Kartenzahlung funktioniert in den Restaurants, aber nicht überall. Der einzige Geldautomat in Lastovo Stadt ist unzuverlässig
- Sonnenschutz und Mückenspray – die Macchia ist voller Mücken, besonders abends
- Taschenlampe/Stirnlampe – auf Lastovo gibt es keine Straßenbeleuchtung. Wirklich keine
- Festes Schuhwerk – die Wanderwege sind steinig und teilweise unmarkiert
- Schnorchelausrüstung – Verleih gibt es kaum
- Lebensmittelvorräte – wenn du kochst, bring Zutaten mit. Frisches Gemüse, Gewürze, alles was du nicht in einem Minimarkt findest
- Medikamente – die nächste Apotheke ist auf dem Festland. Es gibt eine kleine Ambulanz in Lastovo Stadt, aber keine Apotheke im klassischen Sinn
- Bücher, Spiele, Offline-Unterhaltung – WLAN ist langsam, mobiles Internet stellenweise nicht existent, und genau das ist der Luxus
Wie viele Tage auf Lastovo?
Minimum: drei Nächte. Nicht weil man drei Tage braucht, um alles zu sehen – das schafft man in zwei –, sondern weil der Fährplan es so vorgibt. Die Verbindungen sind so getaktet, dass du entweder zwei Nächte oder vier bleibst. Und zwei Nächte sind zu kurz, um Lastovo zu verstehen.
Drei bis vier Nächte sind ideal. Genug Zeit, um die Stadt zu erkunden, nach Skrivena Luka zu wandern, eine Bootstour zu den Buchten zu machen, abends in einer Konoba zu sitzen und mindestens eine Nacht unter dem Sternenhimmel zu verbringen. Wer tauchen oder wandern will, plant fünf bis sechs Nächte ein. Und wer wirklich abschalten will – eine Woche. Nach einer Woche auf Lastovo ist dein Stresslevel auf einem Niveau, das kein Spa der Welt erreicht.
Ein möglicher Ablauf:
- Tag 1: Ankunft in Ubli, Transfer, Lastovo Stadt erkunden, Fumari-Rundgang, Abendessen in der Stadt
- Tag 2: Wanderung zum Hum oder Leuchtturm Struga, nachmittags baden in Mihajla, abends Konoba Augusta Insula in Zaklopatica
- Tag 3: Bootstour zu Saplun und den Außeninseln, Schnorcheln, nachmittags Skrivena Luka, Abendessen Konoba Triton
- Tag 4: Letzter Morgen, Kaffee in Lastovo Stadt, Fähre zurück
Lastovo mit dem Rad
Die Insel hat nur eine asphaltierte Hauptstraße und ein paar Nebenwege – insgesamt kaum 30 Kilometer Straßennetz. Das klingt wenig, aber auf Lastovo zählt nicht die Strecke, sondern das Erlebnis. Die Straße von Ubli nach Lastovo Stadt schlängelt sich durch Kiefernwälder, bietet immer wieder Ausblicke auf das Meer, und der Verkehr beschränkt sich auf ein paar Autos pro Stunde.
Wer vom Radfahren auf Lastovo noch nicht genug hat und die dalmatinische Küste weiter erkunden will: ridescouts hat eine 38-km-Tour durch das Neretva-Delta auf dem Festland – landschaftlich ein kompletter Kontrast zu Lastovo, mit Flusslandschaften statt Felsküste. Die GPX-Datei lässt sich herunterladen und offline nutzen, was auf Lastovo ohnehin die einzige Option ist.
Wann nach Lastovo?
Juni und September sind die besten Monate. Warm genug zum Schwimmen (Wassertemperatur 22–25 °C), wenig Besucher, und die Fähren fahren regelmäßig. Im Juli und August ist es heißer, die Unterkünfte sind voller (relativ – wir reden immer noch von Lastovo), und die Fähren öfter ausgebucht. Im Mai und Oktober sind manche Restaurants geschlossen, aber die Wanderungen sind am schönsten.
Winter auf Lastovo ist für Hartgesottene. Die Fähren fahren selten, die meisten Unterkünfte sind zu, und es kann tagelang regnen. Aber: Der Karneval im Februar ist ein triftiger Grund, genau dann zu kommen.
Lastovo ist nicht für jeden. Wer Unterhaltung braucht, wird sich langweilen. Wer Komfort erwartet, wird enttäuscht. Wer Einsamkeit nicht aushält, sollte nach Hvar fahren. Aber wer einmal unter dem Sternenhimmel von Lastovo gesessen hat, mit dem Rauschen des Meeres als einzigem Geräusch und der Milchstraße als einzigem Licht – der versteht, warum manche Menschen jedes Jahr wiederkommen und niemandem davon erzählen.