Paragliding in Kroatien: Die 8 besten Startplätze für Tandemflüge 2026
- Redaktionsteam
- Aktivitäten , Dalmatien
- 08 Mar, 2026
Inhalt
Die Dinarischen Alpen fallen steil zur Adria ab. Diese Topographie – Berge direkt am Meer – schafft perfekte Bedingungen für Paragliding: Thermik über dem warmen Land, Aufwinde an den Klippen, und Landungen mit Blick aufs Meer. Kroatien ist ein unterschätztes Paradies für Gleitschirmflieger, und das liegt nicht nur an der Landschaft, sondern auch an den Winden, die hier mit fast poetischer Regelmäßigkeit wehen.

Für Tandemflüge – du fliegst als Passagier mit einem lizenzierten Piloten – brauchst du keine Erfahrung. Die Flüge dauern 15-45 Minuten, je nach Thermik und Spot. Du erlebst Kroatien aus einer Perspektive, die den meisten Touristen verwehrt bleibt: Inseln wie auf einer Landkarte, türkisfarbene Buchten, die Küste als schmaler Streifen zwischen Bergen und Meer. Und wer bereits einen Schein hat, findet in Kroatien XC-Bedingungen, die mit den Alpen mithalten können – dazu später mehr.
Die Winde der Adria – Warum Kroatien so gut funktioniert
Wer in Kroatien fliegt, muss zwei Winde kennen: den Maestral und die Bura. Sie bestimmen, ob du fliegst, wie lange du fliegst, und ob dein Tag am Startplatz oder am Strand endet.
Der Maestral ist der Freund jedes Gleitschirmfliegers. Dieser thermische Nordwestwind baut sich gegen Mittag auf, erreicht moderate Stärken und legt sich kurz vor Sonnenuntergang wieder. Im Sommer weht er zuverlässig an der gesamten Küste und sorgt für gleichmäßige Aufwinde an den Klippen. An den meisten Spots bedeutet Maestral: gute Bedingungen, lange Flüge, zufriedene Piloten. In engen Kanälen – etwa zwischen Brač und dem Festland oder in der Pelješac-Region – kann er allerdings kräftig auffrischen, was für Tandempiloten bedeutet, dass sie den Start nach vorne verlegen oder den Flug verkürzen.
Die Bura ist das genaue Gegenteil. Dieser kalte, böige Nordostwind fegt von den Küstengebirgen herab und beschleunigt, bevor er das Meer erreicht. Die Kroaten sagen, die Bura brauche drei Tage zum Wachsen, drei Tage zum Blühen und drei Tage zum Sterben. Eigenartig: Mittags legt sie eine Pause ein – die Einheimischen scherzen, sie gehe zum Mittagessen. Für Paragliding ist die Bura in der Regel ein No-Go. Die Böen sind unberechenbar, besonders am Biokovo und am Velebit, wo sie mit voller Wucht über die Kämme bricht. Die Bura dominiert in den Übergangsmonaten Frühling und Herbst sowie im Winter – ein Grund, warum die Hauptsaison für Tandemflüge zwischen Mai und September liegt.
An den besten Tagen weht leichter Maestral mit 5-6 m/s, die Thermik steht sauber über den aufgeheizten Felsen, und du kannst vom Biokovo aus bis zu den Inseln Brač, Hvar und Vis sehen. Das sind die Tage, an denen Piloten nach dem Landen sofort wieder hochfahren wollen.
Biokovo – Der Klassiker
Der Naturpark Biokovo oberhalb von Makarska ist der bekannteste Paragliding-Spot Kroatiens. Der Berg steigt auf 1.762 Meter an – und fällt dann fast senkrecht zum Meer ab. Die Höhendifferenz von über 1.300 Metern ist in Europa fast einzigartig: Du startest in einer Karstlandschaft, die an eine Mondlandschaft erinnert, und landest zwanzig Minuten später am Strand. Dazwischen liegt ein Flug, der dich verändert.

Start ist auf etwa 1.200-1.400 Metern Höhe, an einem der Startplätze an der Bergstraße. Der Untergrund ist steinig – erfahrene Tandempiloten starten hier rückwärts (Reverse Launch), damit sich die Leinen nicht im Geröll verfangen. Die Thermik trägt dich, während unter dir die Makarska Riviera ausgebreitet liegt: weiße Strände, türkises Wasser, die Inseln Brač und Hvar am Horizont. Die Flugzeit beträgt 20-40 Minuten, abhängig von den Bedingungen. Die Landung erfolgt am Strand von Tučepi oder Podgora – du kommst buchstäblich vom Himmel ans Meer.
Der beste Zeitpunkt am Biokovo ist der Vormittag zwischen 9 und 12 Uhr, bevor der Maestral zu stark wird. An perfekten Tagen bleibt die Thermik auch nachmittags stabil, aber die erfahrenen Piloten bevorzugen die ruhigeren Morgenstunden, besonders für Tandemgäste. Das Biokovo liegt in einem Naturpark, und die Regulierung ist streng: Piloten müssen sich vor dem Flug bei der lokalen Organisation anmelden, die Startgebühr bezahlen und die Parkregeln beachten. Für dich als Tandempassagier kümmert sich der Anbieter um alles.
Biokovo Paragliding (Makarska) ist der etablierte Anbieter mit erfahrenen Piloten und guter Organisation. Fotos und Videos sind inklusive, Preise ab 120 Euro pro Person. Makarska Paragliding bietet kleinere Gruppen und persönlicheren Service ab 110 Euro pro Person. Beide Anbieter holen dich am Hotel ab und bringen dich nach dem Flug zurück – der gesamte Ausflug dauert etwa drei bis vier Stunden inklusive Fahrt zum Startplatz.
| Detail | Info |
|---|---|
| Beste Zeit | April-Oktober (beste Thermik: Mai-September) |
| Flugzeit | 20-40 Minuten |
| Starthöhe | 1.200-1.400 m |
| Abholung | Hotel-Transfer inklusive |
| Mindestalter | Meist 5-7 Jahre (mit Elternerlaubnis) |
| Gewichtslimit | Meist 100-110 kg |
Učka – Über der Kvarner-Bucht
Der Učka ist der höchste Berg Istriens (1.401 m) und bietet Panoramablick über die gesamte Kvarner-Bucht. An klaren Tagen reicht die Sicht bis zu den Alpen – und du schwebst dabei. Die Učka hat einen entscheidenden Vorteil gegenüber dem Biokovo: Die Thermik ist zwar schwächer, dafür konstanter und berechenbarer. Das macht den Spot ideal für Erstflieger, die einen ruhigeren Flug bevorzugen.
Start nahe dem Gipfel Vojak, Flug über die Ostküste Istriens Richtung Opatija oder Lovran. Die Aussicht ist anders als am Biokovo: hier die tiefe Bucht mit den Inseln Cres und Lošinj, dort die Riviera mit den eleganten Villen von Opatija. Bei Nordwestwind trägt der Maestral hier besonders gleichmäßig, weil die breite Bucht als natürlicher Trichter wirkt. Die Landung erfolgt an der Küste bei Ika oder Lovran, wo du direkt danach in einem der kleinen Restaurants an der Lungomare einen Kaffee trinken kannst.
Paragliding Učka (Opatija) bietet Tandemflüge und Kurse ab 130 Euro pro Person. Sky Riders Istria ist ein kleinerer Anbieter mit flexiblen Terminen ab 120 Euro. Die beste Tageszeit an der Učka ist der späte Vormittag, wenn die Thermik aufgebaut hat, aber der Maestral noch nicht zu stark geworden ist. In der Hochsaison lohnt sich eine Buchung mindestens drei bis vier Tage im Voraus.
Mosor – Über Split
Der Mosor liegt direkt hinter Split und bietet Tandemflüge mit Blick auf die Stadt, den Marjan-Hügel und die vorgelagerten Inseln. Kürzer als Biokovo, aber urbaner und leichter erreichbar – in zwanzig Minuten bist du vom Diokletianpalast am Startplatz.

Start auf ca. 800 Metern, Flug Richtung Küste. Unter dir liegt Split mit dem Diokletianpalast, dem Hafen und der Riva. Die Landung erfolgt am Strand Žnjan oder in der Nähe. Durch die geringere Starthöhe ist die Flugzeit kürzer als am Biokovo – typisch sind 10-20 Minuten – aber die Stadtperspektive macht das wett. Du siehst die gesamte Hafenbucht, die Fähren nach Brač und Hvar, und an klaren Tagen die Konturen der äußeren Inseln am Horizont. Die nahegelegene Greda bei Sinj auf 845 Metern bietet erfahrenen Piloten eine Alternative mit stärkerer Thermik und Möglichkeiten für Ridge-Soaring entlang des langen Kamms.
Paragliding Split fliegt täglich bei gutem Wetter ab 100 Euro pro Person. Adventure Dalmatia kombiniert Paragliding mit anderen Aktivitäten wie Rafting und Zipline ab 95 Euro. Wer nach dem Landen noch Energie hat: Die Gegend um Split lässt sich auch auf zwei Rädern erkunden. Eine 68-km-Route von Split durch das Hinterland bis nach Brela führt durch Karstlandschaften und Olivenhaine – eine andere Art, die Küste von oben zu sehen, nur eben mit Bodenkontakt.
Velebit – Für Erfahrene
Das Velebit-Gebirge ist wild, zerklüftet und wenig erschlossen. Paragliding hier ist anspruchsvoller – die Bura kann ohne Vorwarnung über den Kamm brechen, die Thermik ist unregelmäßig, und die Infrastruktur ist minimal. Aber die Landschaft ist mit nichts vergleichbar: unter dir urwaldähnliche Schluchten, kahle Karstfelsen und der Übergang vom Gebirge zum Meer, der nirgendwo an der Adria dramatischer ausfällt.
Starigrad-Paklenica: Start vom Nationalpark-Rand, Flug über die Schlucht Richtung Meer. Der Startplatz Brgud auf über 1.300 Metern bietet beeindruckende Höhe, verlangt aber stabile Bedingungen und Erfahrung mit Starkwind. Nur bei ruhiger Wetterlage und ohne Bura-Warnung starten die Piloten hier. Wenige spezialisierte Anbieter operieren am Velebit – kontaktiere lokale Flugschulen in Zadar oder den Verein in Starigrad.
Obrovac (Zrmanja): Flug über den Canyon der Zrmanja – türkisfarbener Fluss, dramatische Schluchten. Die Bedingungen hier sind technisch anspruchsvoll, weil der Canyon eigene Windmuster erzeugt: Die Luft wird durch die enge Schlucht kanalisiert und kann in Wirbel umschlagen. Ein Flug für Piloten, die wissen, was sie tun, oder für Tandempassagiere, die einem sehr erfahrenen Piloten vertrauen.
| Detail | Info |
|---|---|
| Beste Zeit | Mai-September |
| Niveau | Für erfahrene Piloten oder Tandem mit sehr erfahrenem Piloten |
| Besonderheit | Echte Wildnis, kaum andere Flieger |
Omiš – Über der Cetina-Schlucht
Omiš liegt an der Mündung der Cetina, eingeklemmt zwischen Klippen und Meer. Die Paragliding-Spots nutzen die Thermik über der Schlucht – du fliegst über den Fluss, über die Klippen, zum Strand. Was Omiš besonders macht: Die Schlucht erzeugt eigene Aufwinde, weil sich die Felsen unterschiedlich schnell aufheizen. Die Nordseite liegt morgens im Schatten, die Südseite in der Sonne – das ergibt asymmetrische Thermik, die ein erfahrener Pilot nutzen kann, um den Flug zu verlängern.
Start oberhalb der Cetina-Schlucht, Flug über den Fluss mit seiner türkisfarbenen Farbe, Landung am Strand von Omiš. Die Perspektive auf die Schlucht ist einzigartig – vom Wasser aus siehst du nur die Wände, von der Straße nur die oberen Kanten, aber von oben siehst du den gesamten Verlauf des Flusses, der sich durch die Felsen schneidet. Die beste Tageszeit ist hier der späte Vormittag, wenn die Thermik über der sonnenbeschienenen Schlucht steht und der Maestral noch nicht eingesetzt hat.
Omiš Adventure kombiniert Paragliding mit Rafting oder Zipline ab 110 Euro pro Person. Active Holidays Croatia bietet Tandemflüge und Kurse ab 100 Euro. Der Klassiker in Omiš: morgens Paragliding über die Schlucht, nachmittags Rafting durch dieselbe Schlucht. Du siehst denselben Fluss aus zwei komplett verschiedenen Perspektiven am selben Tag.
Pelješac – Mit Weinberg-Panorama
Die Halbinsel Pelješac ist weniger bekannt für Paragliding, aber es gibt Startplätze oberhalb von Orebić mit einem Panorama, das du nirgendwo sonst bekommst. Unter dir liegen die steilen Weinberg-Terrassen von Dingač, wo der berühmteste Rotwein Kroatiens wächst – so steil, dass die Winzer per Seilbahn ernten. Gegenüber liegt die Insel Korčula mit ihrer mittelalterlichen Altstadt, und bei gutem Licht siehst du bis Mljet und die offene Adria.
Start oberhalb von Orebić, Flug über die Halbinsel mit ihren charakteristischen Terrassen. Die Landung erfolgt in der Nähe der Fähranlegestelle – praktisch, wenn du danach nach Korčula übersetzen willst. Der Wind an der Pelješac kann tückisch sein: Die Halbinsel liegt in einem natürlichen Kanal zwischen den Inseln, und der Maestral beschleunigt hier. Deshalb fliegen die lokalen Piloten vorzugsweise morgens, bevor der Wind aufbaut.
Pelješac Paragliding ist ein lokaler Anbieter mit kleinen Gruppen ab 100 Euro pro Person. Weniger Touristen, weniger Wartezeit, dafür authentischer – du fliegst mit Piloten, die hier aufgewachsen sind und jeden Luftstrom kennen.
Brač – Von der Insel fliegen
Die Insel Brač hat den höchsten Punkt aller dalmatinischen Inseln – Vidova Gora (778 m). Von hier starten Tandemflüge mit dem vielleicht besten Fotomotiv aller kroatischen Spots: der Strand Zlatni Rat direkt unter dir. Das “Goldene Horn” verändert seine Form je nach Strömung und Wind, und aus der Luft siehst du diese Dynamik in Echtzeit – die Kiesspitze, die sich mal nach links, mal nach rechts biegt.
Start von Vidova Gora, Flug über die Insel Richtung Bol. Die Thermik ist auf einer Insel anders als am Festland: Sie baut sich langsamer auf, hält aber länger, weil die Insel von allen Seiten von warmem Wasser umgeben ist. Die Flugzeit liegt bei 15-25 Minuten, die Landung erfolgt nahe Bol. Der beste Zeitpunkt ist der frühe Nachmittag, wenn die Inselthermik voll entwickelt ist – das unterscheidet Brač von den Festland-Spots, wo der Vormittag besser ist.
Brač Paragliding (Bol) bietet Tandemflüge täglich bei gutem Wetter ab 120 Euro pro Person. Anreise per Fähre von Split nach Supetar (50 Minuten), dann Bus oder Taxi nach Bol. Plane den Flugtag als Ganztagesausflug: Fähre morgens, Mittag in Bol, Paragliding am Nachmittag, letzte Fähre zurück.
Raspadalica – Istriens Geheimtipp
Ein Spot, den die meisten Kroatien-Reiseführer nicht erwähnen: Raspadalica bei Buzet im Norden Istriens, auf 550 Metern Höhe. Dieser Startplatz hat 2023 den Paragliding World Cup (PWC) ausgetragen – und das aus gutem Grund. Die süd-südwestliche Windausrichtung erlaubt ganzjähriges Fliegen, selbst im Winter, wenn an der Küste die Bura herrscht. Das Hinterland Istriens ist durch die Berge geschützt und entwickelt zuverlässige Thermik über den roten Böden und Weinbergen.
Für Tandempiloten ist Raspadalica über den Freeflying Club Tici in Buzet erreichbar, die Preise beginnen bei etwa 70 Euro – deutlich günstiger als an der dalmatinischen Küste. Der Flug führt über das Mirna-Tal mit seinen mittelalterlichen Hilltop-Dörfern, Trüffelwäldern und Weinbergen. Die Landung erfolgt im Tal bei Buzet. Wer danach das istrische Hinterland per Rad erkunden will, findet eine 68-km-Tour durch die Weinberge bei Motovun mit Stopps bei Weingütern und Olivenölproduzenten.
Vorab buchen oder spontan?
Die wichtigste Frage, die sich fast jeder Tandempassagier stellt: Muss ich im Voraus buchen, oder kann ich einfach am Tag auftauchen? Die kurze Antwort: Buche immer im Voraus, mindestens drei bis vier Tage vorher. Paragliding ist wetterabhängig, und Anbieter planen ihre Tage danach, wie viele Passagiere sie haben und wie das Wetter aussieht. Spontan auftauchen bedeutet im besten Fall, dass du Glück hast und ein Pilot gerade frei ist. Im schlimmsten Fall fährst du umsonst zum Startplatz.
In der Hochsaison (Juli/August) sind beliebte Spots wie Biokovo und Brač oft eine Woche im Voraus ausgebucht. In der Nebensaison (Mai, Juni, September) reichen meist zwei bis drei Tage. Die meisten Anbieter haben Online-Buchungssysteme oder WhatsApp – schreib einfach, nenne dein Wunschdatum und Gewicht (wichtig für die Schirm-Auswahl), und du bekommst schnell eine Bestätigung. Manche Anbieter verlangen eine Anzahlung von 20-30 Euro, die bei wetterbedingter Absage erstattet wird.
Ein wichtiges Detail: Wenn das Wetter am gebuchten Tag nicht passt, schlagen gute Anbieter von sich aus alternative Termine oder sogar alternative Spots vor. Ein Anbieter in Zagreb ist dafür bekannt, bei schlechtem Wetter am Tribalj auf einen anderen Berg auszuweichen, statt einfach abzusagen. Frag vorher, wie der Anbieter mit Wetter-Absagen umgeht – das sagt viel über die Qualität.
Fotos, Videos und GoPro – Was du bekommst
Tandemflüge ohne Beweis sind wie nicht geflogen – zumindest für Instagram. Die gute Nachricht: Fast alle Anbieter in Kroatien filmen den Flug mit einer GoPro, die der Pilot am Helm oder an einem Selfie-Stick befestigt. Bei den meisten Anbietern ist ein Basispaket mit Fotos und einem kurzen Video (5-8 Minuten, geschnitten) im Preis enthalten. Manche berechnen 20-40 Euro extra für Fotos, 30-50 Euro für ein vollständiges Video.
Eigene GoPro mitbringen? Grundsätzlich erlaubt, aber der Pilot entscheidet, ob und wo sie montiert wird. Lose Kameras, die du in der Hand hältst, sind ein Sicherheitsrisiko – wenn sie dir entgleitet, fällt sie hunderte Meter in die Tiefe. Handhalterungen mit Sicherungsleine werden von den meisten Piloten akzeptiert. GoPro-Verleih direkt vor Ort bieten nur wenige kroatische Anbieter an – das ist eher in den Alpen üblich. Wenn du eine eigene Actioncam nutzen willst, sprich das bei der Buchung an. Neuere Anbieter bieten auch Insta360-Aufnahmen an, die einen beeindruckenden 360-Grad-VR-Effekt erzeugen – ab etwa 75 Euro extra.
Versicherung und Sicherheit
Tandem-Paragliding in Kroatien wird von der Croatian Civil Aviation Agency (CCAA) reguliert. Alle kommerziellen Tandempiloten benötigen eine gültige Lizenz und eine Haftpflichtversicherung, die den Passagier abdeckt. Das ist gesetzlich vorgeschrieben. Trotzdem solltest du wissen, was das bedeutet – und was nicht.
Die Haftpflichtversicherung des Piloten greift bei Verschulden des Piloten. Sie deckt nicht: eigene Verletzungen durch Vorerkrankungen, Schäden an deiner eigenen Ausrüstung (Brille, Kamera), oder Folgekosten wie Hotelstornierungen. Deine Auslandskrankenversicherung sollte Abenteueraktivitäten abdecken – viele Standardpolicen schließen Paragliding aus. Prüfe das vor der Reise. Die ADAC-Auslandskrankenversicherung deckt Paragliding als Passagier in der Regel ab, ebenso die meisten Kreditkarten-Reiseversicherungen im Premium-Segment.
Zur Sicherheit: Die Unfallrate bei kommerziellen Tandemflügen ist extrem niedrig. Die Piloten kennen ihre Berge, die Ausrüstung wird regelmäßig geprüft (LTF- und EN-Zertifizierung), und jeder seriöse Anbieter sagt den Flug ab, wenn die Bedingungen nicht passen. Das Gefährlichste am Paragliding in Kroatien ist die Fahrt zum Startplatz auf den engen Bergstraßen.
XC-Fliegen für lizenzierte Piloten
Kroatien hat eine aktive, wenn auch überschaubare Streckenflug-Szene. Wer mit eigenem Schirm kommt und einen Lizenznachweis hat, findet erstaunlich gute Bedingungen – und überraschend wenig Konkurrenz in der Luft.

Raspadalica bei Buzet ist der XC-Hotspot schlechthin. Der Streckenrekord liegt bei 164 km – beeindruckend für ein Fluggebiet, das vielen europäischen Piloten kaum bekannt ist. Die süd-südwestliche Ausrichtung und die zuverlässige Winterthermik machen den Spot ganzjährig interessant. Der Freeflying Club Tici in Buzet ist der lokale Ansprechpartner und verlangt keine Startgebühren – eine Seltenheit.
Hrvace bei Sinj, etwa 30 Kilometer nördlich von Split, ist der zweite XC-Hotspot. Hier treffen sich jährlich die besten Piloten des Landes zu einem Streckenflug-Wettbewerb. Die Thermik über der dalmatinischen Karstlandschaft ist erstklassig und ermöglicht Flüge von 70 Kilometern und mehr. Der Flugsportverein Hrvace ist der Ansprechpartner für Gastpiloten.
Für Solo-Piloten wichtig: An den meisten kroatischen Startplätzen gilt eine Kontaktpflicht. Du musst dich vor dem Fliegen beim lokalen Verein oder Betreiber anmelden – nicht nur aus Höflichkeit, sondern weil manche Spots in Naturparks liegen oder spezifische Sicherheitsregeln haben. Der Tribalj oberhalb von Crikvenica auf 773 Metern erfordert eine Voranmeldung und ein Briefing durch den Betreiber. Ausrüstung kann bei regionalen Flugschulen geliehen werden – die Preise für ein Tagessetup beginnen bei etwa 50 Euro für gebrauchte Schirme, 150 Euro für Training mit Guide.
Was erwartet dich beim Tandemflug?
Du triffst den Piloten am vereinbarten Treffpunkt (oft Hotel-Abholung). Dann fährt ihr gemeinsam zum Startplatz – je nach Spot eine kurze oder längere Fahrt. Am Startplatz bekommst du einen Gurt angelegt und eine kurze Einweisung: “Bei ‘Lauf’ läufst du los, bis wir abheben.” Mehr musst du nicht wissen. Die meisten Anbieter rechnen für den gesamten Ausflug etwa drei bis vier Stunden ein, davon 15-20 Minuten Vorbereitung am Startplatz.
Der Start ist der aufregendste Moment. Du läufst bergab, der Schirm füllt sich mit Luft, und plötzlich heben deine Füße ab. Die ersten Sekunden sind surreal – du fliegst wirklich. Nach dem Start entspannst du dich im Gurt, während der Pilot navigiert. Die meisten Piloten fliegen zunächst in der Thermik nach oben, dann in weiten Kurven Richtung Landeplatz. Du kannst fotografieren, filmen, oder einfach genießen.
Viele Piloten bieten “Akrobatik” an – enge Kurven, Steilspiralen, Wingovers. Sag vorher, was du willst (oder nicht willst). Es gibt kein “mehr Mut = besserer Flug”. Ein ruhiger Gleitflug über die Küste kann genauso beeindruckend sein wie ein Adrenalinstoß mit Wingover. Die Landung ist sanfter als erwartet: Du stellst dich auf, läufst ein paar Schritte – fertig.
Kosten, Kleidung und wann du nicht fliegen solltest
| Leistung | Preis |
|---|---|
| Tandemflug Standard (15-25 Min) | 90-130€ |
| Tandemflug Lang (30-45 Min) | 130-180€ |
| Foto-Paket | 20-40€ extra |
| Video-Paket | 30-50€ extra |
| Insta360 VR | ca. 75€ extra |
| Einsteiger-Kurs (Grundschein) | 800-1.200€ |
| Aufpreis bei 80+ kg | 25€ bei manchen Anbietern |
Zieh feste Schuhe an – Wanderschuhe oder Sportschuhe, keine Sandalen und keine Flip-Flops. Die Startplätze sind oft steinig, und bei der Landung brauchst du festen Halt. Eine lange Hose schützt bei Start und Landung auf Wiese oder Geröll. Jacke mitnehmen – auf 1.200 Metern Höhe ist es auch im Sommer spürbar kühler als am Strand, und der Fahrtwind beim Fliegen verstärkt den Effekt. Sonnenbrille nicht vergessen, die Sonne ist in der Höhe intensiver als erwartet.
Nicht fliegen solltest du bei Herzproblemen (vorher den Arzt fragen), in der Schwangerschaft (die meisten Anbieter lehnen ab), unter Alkoholeinfluss (kein Scherz – manche Gäste kommen angetrunken), oder mit schweren Rückenproblemen (die Landung kann ruppig sein). Höhenangst ist kein automatisches Ausschlusskriterium – viele Menschen beschreiben, dass die Angst nach den ersten zehn Sekunden verschwindet, weil du keinen festen Bezugspunkt mehr hast. Du schwebst einfach.
Zum Wetter: Wind ist der entscheidende Faktor. Zu stark (über 25 km/h am Startplatz) bedeutet kein Flug. Zu schwach heißt kurzer Flug ohne Thermik. Gewitter ist ein absolutes No-Go – und kann sich an der kroatischen Küste im Sommer schnell zusammenbrauen. Die Anbieter checken die Bedingungen professionell und sagen Flüge ab, wenn es nötig ist. Das ist keine Bürokratie, sondern deine Sicherheit.
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