Radfahren in Istrien: Weinberge, Trüffel und die Toskana des Ostens 2026
- Redaktionsteam
- Aktivitaeten , Radfahren , Istrien
- 09 Nov, 2025
Inhalt
Istrien ist das, was die Toskana vor 30 Jahren war – nur ohne die Deutschen, die schon alles aufgekauft haben. Sanfte Hügel, Weinberge, Olivenhaine, mittelalterliche Bergdörfer. Und für Radfahrer: kurze Distanzen zwischen spektakulären Orten, perfekte Schotterwege, und nach jeder Tour ein Bad im Meer.
Von München sind es fünf Stunden. Das ist näher als der Gardasee, und die Straßen sind leerer. Was Istrien so besonders macht: Die Halbinsel ist kompakt genug, dass du morgens durch Trüffelwälder radelst und nachmittags im Meer badest. Kein ewiges Autofahren zwischen den Highlights, keine Tagesplanung, die sich nach Entfernungen richtet. Alles liegt eng beieinander – die römische Arena, die venezianischen Bergdörfer, die Weingüter, die Felsbuchten.

Die Parenzana: Istriens berühmtester Radweg
Bevor wir über Routen reden, musst du die Parenzana kennen. Die ehemalige Schmalspurbahnstrecke verband von 1902 bis 1935 Triest mit Poreč – 123 Kilometer durch das Herz Istriens, über 600 Meter Höhenunterschied, durch Tunnel und über Viadukte. Heute ist sie ein Rad- und Wanderweg, und wer Istrien auf zwei Rädern erleben will, kommt an ihr kaum vorbei.
Der kroatische Abschnitt erstreckt sich von Buje bis nach Vižinada und führt durch einige der schönsten Abschnitte. Die alte Trasse schlängelt sich durch Eichenwälder und Weinberge, vorbei an verfallenen Bahnhöfen, die langsam von der Vegetation zurückerobert werden. In Livade – dem selbsternannten Trüffel-Zentrum Istriens – kreuzt die Parenzana das Mirna-Tal, und der Geruch feuchter Erde und wilder Kräuter hängt zwischen den Bäumen. Ein paar Kilometer weiter stehst du plötzlich vor dem Viadukt bei Grožnjan, und unter dir breitet sich das grüne Tal wie ein Gemälde aus.
Die Parenzana ist größtenteils geschottert, mit moderater Steigung – schließlich war sie für Züge gebaut, nicht für Bergziegen. Ein Trekkingbike reicht für die meisten Abschnitte, ein Gravelbike ist komfortabler. Rennradler werden auf dem groben Schotter fluchen. Die ganze Strecke lässt sich in einem Tag schaffen, aber eigentlich wäre das verschwendet: Plan zwei Tage ein, übernachte in einem der Agrartourismus-Betriebe am Weg, und lass dir Zeit für die Weingüter, die Ölmühlen und die Konobas, die an der Strecke liegen.

Die Terra Rossa: Warum Istriens Boden für Radfahrer zählt
Wer zum ersten Mal auf einem Schotterweg in Istrien fährt, wundert sich über die Farbe: rötlich-orange, fast wie getrocknetes Terrakotta. Das ist Terra Rossa, ein eisenhaltiger Tonboden, der Istrien seinen Charakter gibt. Bei Trockenheit ist er fest und schnell – perfekt zum Fahren. Nach Regen verwandelt er sich in eine klebrige Masse, die sich in die Reifen frisst und das Schutzblech blockiert. Das ist kein Grund, zuhause zu bleiben, aber es ist ein Grund, die Wettervorhersage zu prüfen.
Die Terra Rossa prägt auch die Landwirtschaft. In diesem Boden wachsen die Oliven, die zu Istriens preisgekröntem Öl werden. Hier gedeiht der Malvasia-Wein, mineralisch und frisch. Und in den Eichenwäldern auf diesem Boden verstecken sich die Trüffel, für die Istrien berühmt ist. Als Radfahrer fährst du buchstäblich über den Boden, der all das hervorbringt – und bei jedem Stopp an einem Weingut oder einer Ölmühle schmeckst du, was unter deinen Reifen gewachsen ist.

Sechs Routen, die sich lohnen
Ich habe in den letzten Jahren alle diese Strecken mehrfach gefahren. Hier die ehrliche Einschätzung:
1. Poreč nach Buje durch die Weinberge (68 km)
Die Königstour. Du startest an der Küste bei Poreč (UNESCO-Basilika, falls du noch Zeit hast), und fährst hinauf in die grünen Hügel. Oprtalj, Motovun, Buje – drei Bergstädtchen, die auf jeder Postkarte sein könnten, aber von Touristen in Ruhe gelassen werden.
Die Strecke führt fast ausschließlich über Schotter und kleine Landstraßen. Die 1.030 Höhenmeter verteilen sich gut, aber unterschätze sie nicht – am Ende spürst du sie. Ein Gravelbike ist Pflicht, ein Rennrad funktioniert hier nicht. Besonders der Anstieg nach Motovun hat es in sich: auf den letzten zwei Kilometern wird der Schotter grober, die Steigung zieht an, und du fragst dich, warum irgendjemand im Mittelalter beschlossen hat, eine Stadt auf diesen Hügel zu bauen. Aber oben angekommen verstehst du es sofort – der Blick über das Mirna-Tal ist einer der schönsten in ganz Kroatien.
Was die Tour besonders macht: die Weingüter. Malvasia und Teran wachsen an diesen Hängen, und viele Produzenten bieten Verkostungen an. Plan Zeit ein, du wirst nicht weiterwollen. Das Weingut Kozlović in Momjan ist ein guter Einstieg – die Malvasia Santa Lucia gehört zu den besten Weißweinen Kroatiens, und die Terrasse mit Blick auf die Hügel ist der perfekte Ort, um die Beine hochzulegen.
GPX-Route mit allen Weingut-Stopps

2. Buje nach Poreč: Die Malvasia-Route (68 km)
Dieselbe Landschaft, andere Richtung – und dadurch eine komplett andere Erfahrung. Du startest oben in den Hügeln und arbeitest dich zur Küste hinunter. 850 Höhenmeter bergauf, 1.030 bergab. Am Ende wartet Poreč mit Altstadt und Meer.
Die Route führt durch das Herz des Malvasia-Gebiets. Im Herbst sind die Trüffelsucher mit ihren Hunden unterwegs; du riechst die Eichenwälder noch bevor du sie siehst. Der Abschnitt zwischen Buje und Grožnjan ist besonders lohnend – das Künstlerstädtchen Grožnjan thront auf seinem Hügel wie eine Festung, und in den schmalen Gassen reihen sich Galerien und Ateliers aneinander. Im Sommer finden hier Jazz-Konzerte statt, die man bei einem Glas Malvasia auf dem Platz genießen kann.
Von Grožnjan geht es bergab ins Mirna-Tal und dann durch die Parenzana-Tunnel nach Vižinada. Die Tunnel sind kurz, aber dunkel – ein Fahrradlicht ist Pflicht. Danach wird die Landschaft offener, die Weinberge weichen Olivenhainen, und die Luft wird salzig, je näher du der Küste kommst.
Die fertige Route – nützlich, weil die kleinen Weinbergstraßen verwirrend sind.

3. Von Žminj nach Fažana: Bergab ans Meer (45 km)
Die entspannte Variante für alle, die es gemütlicher wollen. Du startest im verschlafenen Žminj (Zentral-Istrien, keine Touristen) und rollst Richtung Westküste – mit Blick auf die Brijuni-Inseln.
150 Höhenmeter bergauf, 510 bergab. Fast nur bergab also. Perfekt für einen halben Tag oder als Einstieg, wenn du die Region kennenlernen willst. Am Ziel kannst du in Fažana baden oder mit dem Boot nach Brijuni fahren. Žminj selbst verdient einen kurzen Stopp: Der zentrale Platz mit der Kirche und den Cafés darunter wirkt wie aus einem Fellini-Film, und der Wochenmarkt am Mittwoch ist einer der authentischsten in Istrien – Bauern aus der Umgebung verkaufen Käse, Honig und Gemüse, das noch nach etwas schmeckt.
Die Strecke führt über eine Mischung aus asphaltierten Nebenstraßen und befestigten Feldwegen. Ein Trekkingrad reicht hier aus, du brauchst kein Gravelbike. Unterwegs passierst du das Dörfchen Barban, wo im Sommer ein traditionelles Ringreiten stattfindet – ein Reiterspektakel, das bis ins 17. Jahrhundert zurückreicht. Selbst wenn du das Festival verpasst, lohnt sich der kurze Abstecher durch die Festungsmauern.
4. Küstenrunde ab Pula (49 km)
Für alle, die Meer statt Berge wollen. Die Tour startet bei der Arena (ja, das römische Amphitheater – nimm dir morgens eine Stunde), führt durch Pinienwälder und entlang der Küste. Unterwegs: Felsbuchten, in denen du alleine bist; versteckte Strände; und immer wieder das Blau der Adria.
340 Höhenmeter – flacher als die Hügel-Touren, aber technisch anspruchsvoller. Waldwege, Schotter, ein paar Trails. Ein Mountainbike oder Gravelbike ist sinnvoll. Der Abschnitt südlich von Pula Richtung Kap Kamenjak ist der Höhepunkt: Hier endet Istrien in einer zerklüfteten Landzunge, die unter Naturschutz steht. Die Klippen fallen steil ins türkisfarbene Wasser, und an windstillen Tagen kannst du vom Rad aus Delfine sehen, die in der Strömung spielen.
Auf der Rückfahrt entlang der Ostküste wird es ruhiger. Hier gibt es weniger Touristen, die Buchten sind kleiner, und die Pinienwälder spenden Schatten auch in der Mittagshitze. Plan einen Badestopp ein – die Bucht bei Banjole ist perfekt dafür, flacher Einstieg, klares Wasser, und eine kleine Bar, die frischen Tintenfisch grillt.

5. Poreč nach Pula: Die Nord-Süd-Durchquerung (71 km)
Wenn du einen ganzen Tag Zeit hast: Istrien der Länge nach. Von Poreč im Norden nach Pula im Süden, durch Pinienwälder, offene Felder, vorbei an versteckten Buchten. Am Ende wartet die Arena und ein wohlverdientes Abendessen.
640 Höhenmeter, Waldwege und Schotter – eine der schönsten Möglichkeiten, die Halbinsel zu erleben. Die Strecke meidet die Hauptstraßen fast komplett und führt stattdessen über Forstwege, die sich durch den Küstenwald schlängeln. Zwischen Vrsar und dem Limski-Kanal gibt es einen Abschnitt, der sich anfühlt wie Mountainbiken in der Provence: rote Erde, Kiefernduft, Zikaden, und alle paar Kilometer ein Blick aufs offene Meer.
Der Limski-Kanal selbst ist ein Highlight – ein fjordähnlicher Meeresarm, der zehn Kilometer ins Landesinnere reicht. Die Route führt am Nordufer entlang, und unten im Wasser siehst du die Muschelfarmen, die hier seit Jahrhunderten betrieben werden. In Rovinj, das du am Nachmittag erreichst, gibt es die Möglichkeit für einen Zwischenstopp: ein Espresso auf der Riva, ein Sprung ins Meer von den Felsen unterhalb der Kirche, dann weiter Richtung Süden.
Die Navigation durch die Wälder ist ohne Track kaum möglich – die Abzweigungen sind zahlreich und die Beschilderung dünn.
6. Dorfrunde ab Poreč für Genussradler (17 km)
Nicht jeder braucht 70 Kilometer und 1.000 Höhenmeter. Diese kurze Runde durch die Dörfer rund um Poreč ist perfekt für alle, die lieber drei Stunden gemütlich fahren und dabei mehr essen als treten. Die Strecke führt über ruhige Asphaltstraßen und befestigte Feldwege, vorbei an Olivenhainen und kleinen Weingütern, die du sonst nie finden würdest.
In Fuškulin gibt es einen Hofladen, der sein eigenes Olivenöl presst – probiere die Buža-Sorte, würzig und pfeffrig, perfekt zu frischem Brot. Weiter in Nova Vas steht ein alter Steinbrunnen auf dem Dorfplatz, um den herum die Katzen in der Sonne liegen. Die Einheimischen hier sprechen noch den istrischen Dialekt, eine Mischung aus Kroatisch und Italienisch, die selbst Zagreber kaum verstehen. Diese Strecke ist ideal für Familien, für den ersten Tag nach der Anreise, oder für Nachmittage, an denen es am Strand zu heiß wird.
Route durch die Dörfer bei Poreč
7. Geschmackstour durch Westistrien (56 km)
Wer die Runde ab Poreč verlängern will, nimmt die Geschmackstour: 56 Kilometer durch das Hinterland, vorbei an Weingütern, Ölmühlen und Konobas, die alle auf einer Route liegen. 580 Höhenmeter und fast nur Asphalt – eine der wenigen Routen, die auch mit dem Rennrad funktioniert.
Die Route schlängelt sich von Poreč ins Hinterland, durch die Dörfer Kaštelir, Labinci und Vižinada. Jedes dieser Dörfer hat seinen eigenen Charakter: Kaštelir ist bekannt für seine Ölmühlen (die Chiavalon-Mühle hat international Preise gewonnen), Labinci für die Konobas mit Trüffelgerichten, und Vižinada für die alten Steinhäuser und die Stille. An einem Wochentag bist du hier oft der einzige Radfahrer, und die Einheimischen winken dir von ihren Terrassen zu. Wer abkürzen oder verlängern will, findet auf der fertigen Route alle Varianten.

Das Trüffelland mit dem Rad
Wenn die Sommerreisenden weg sind und der Herbst die Wälder um Motovun in Gold und Ocker taucht, beginnt die eigentliche Saison in Zentral-Istrien. Von September bis Dezember sind die Trüffelsucher unterwegs – mit ihren Hunden, vor Sonnenaufgang, auf Wegen, die kein GPS kennt. Und genau diese Wälder durchquerst du auf dem Rad.
Die Gegend um Livade, Motovun und Buzet ist das Epizentrum. Der weiße Trüffel (Tuber magnatum) wächst hier in den Eichenwäldern entlang der Mirna, und ein Kilogramm kann 3.000 Euro kosten. Der schwarze Trüffel ist häufiger und günstiger, aber nicht weniger aromatisch. In den Konobas der Region kostet ein Trüffel-Risotto oder eine Trüffel-Pasta zwischen 15 und 25 Euro – ein Bruchteil dessen, was du in Italien zahlst.
Als Radfahrer hast du einen Vorteil: Du bist langsam genug, um die Gerüche wahrzunehmen. Der feuchte Eichenwald hat einen Duft, den du im Auto verpasst – moosig, erdig, mit einem Hauch von etwas, das fast süß ist. In Livade gibt es das Restaurant Zigante, benannt nach dem Mann, der hier 1999 den größten weißen Trüffel der Welt gefunden hat (1,31 Kilo, Guinness-Buch). Das Restaurant ist touristisch, aber die Trüffel sind echt. Wer es authentischer will: Frag in den kleinen Konobas nach dem Tagesgericht. Oft gibt es frische Fuži mit Trüffel, die nirgendwo auf der Karte stehen.

Die Weinberge: Malvasia, Teran und was du probieren musst
Istrien ist Kroatiens bedeutendstes Weingebiet, und als Radfahrer fährst du mittendurch. Die Reben wachsen auf denselben Hügeln, über die deine Routen führen – manchmal so nah am Weg, dass du die Trauben fast greifen kannst.
Malvasia ist die weiße Königin Istriens. Trocken, mineralisch, mit Noten von weißen Blüten und einem salzigen Abgang, der an die nahe Adria erinnert. Die besten Exemplare kommen aus dem Dreieck Buje-Momjan-Brtonigla, wo die Hügel sanft sind und der Boden kalkhaltig. Das Weingut Kozlović produziert seit vier Generationen, und ihre Santa Lucia ist in der Fachpresse regelmäßig unter den besten Weißweinen Südosteuropas. Ein Besuch lohnt sich allein wegen der Terrasse – nach einem Anstieg von Momjan aus sitzt du dort mit einem gekühlten Glas und schaust auf die Hügel, die du gerade bezwungen hast.
Teran ist das rote Gegenstück: kräftig, erdig, mit einer leichten Säure, die ihn zum perfekten Begleiter für die deftige istrische Küche macht. Pršut, Käse, Trüffel – Teran kann das alles. Wer Cabernet oder Merlot gewohnt ist, wird überrascht sein, wie eigenständig dieser Wein ist. Die Winzer sind stolz darauf, dass Teran nur hier wächst: auf der roten Terra Rossa, in diesem Klima, mit diesem Wind.
Praktisch: Die meisten Weingüter bieten Verkostungen an, oft ohne Voranmeldung. Drei bis fünf Weine kosten zwischen 5 und 15 Euro, dazu gibt es meist Pršut und Olivenöl. Nach zwei Weingütern wird das Radfahren gemütlicher – plane das ein.

Wann nach Istrien?
September bis November ist die beste Zeit, und das ist keine Floskel. Die Weinlese läuft, die Trüffelsaison beginnt, die Temperaturen liegen zwischen 15 und 25 Grad, und die Touristen sind weg. Die Morgen sind kühl genug für lange Anstiege, die Nachmittage warm genug für ein Bad im Meer. Im Oktober gibt es überall Weinfeste – das größte in Buje, wo die Winzer der Region ihre neuen Jahrgänge vorstellen. Im November wird frisches Olivenöl gepresst, und die Ölmühlen laden zu Verkostungen ein. Die Luft riecht nach frisch gepresstem Öl, nach feuchtem Laub und nach den letzten warmen Tagen des Jahres.
März bis Mai funktioniert genauso gut. Alles blüht, die Spargelsaison ist im April (wilder Spargel wächst überall am Wegesrand – pflück ihn, er ist köstlich), und die Straßen sind leer. Das Meer ist noch kühl, aber nach einer Hügel-Tour wärmt dich ein Sprung in 17-Grad-Wasser erstaunlich schnell auf. Im März können die höheren Schotterwege durch den Regen noch aufgeweicht sein – bleib dann an der Küste oder auf asphaltierten Strecken.
Juni ist perfekt: warm genug fürs Meer, noch nicht zu heiß zum Radfahren. Die Lavendelblüte beginnt, die Tage sind lang, und du kannst bis 20 Uhr fahren, ohne dass es dunkel wird.
Juli/August? Machbar, aber heiß. Über 30°C, die Küste ist überlaufen. Starte früh morgens – um 6 Uhr, wenn die Luft noch kühl und das Licht golden ist. Fahr ins Hinterland, meide die Mittagshitze in einer Konoba mit Schatten und einem kalten Malvasia. Die Bergdörfer sind deutlich kühler als die Küste, manchmal um 5-7 Grad.
E-Bikes und Radverleih
Du musst dein Rad nicht mitbringen. In Poreč, Rovinj und Pula gibt es mittlerweile professionelle Verleiher, die Gravelbikes, Mountainbikes und E-Bikes anbieten. Die Qualität hat sich in den letzten Jahren stark verbessert – Cube, Giant und Scott statt No-Name-Räder aus dem Keller.
Preise 2026 (Richtwerte): Trekkingbike 20-25 Euro/Tag, Gravelbike 30-45 Euro/Tag, E-Bike 40-60 Euro/Tag, Mountainbike 25-40 Euro/Tag. Bei mehrtägigen Mieten gibt es Rabatt, meist ab drei Tagen. Helm und Schloss sind fast immer inklusive, ein Reparaturset solltest du trotzdem mitnehmen – der nächste Radladen ist auf dem Land weit weg.
E-Bikes sind bei den istrischen Höhenmetern keine Schande. Die Anstiege nach Motovun, Grožnjan oder Oprtalj sind mit einem 25-Kilo-Gravelbike und einem Rucksack auf dem Rücken anspruchsvoll – mit E-Unterstützung kannst du dich auf die Landschaft konzentrieren statt auf deine Oberschenkel. Die meisten E-Bikes schaffen 80-100 Kilometer Reichweite, genug für jede der hier beschriebenen Routen. Aufladen über Nacht im Hotel funktioniert problemlos.

Was du wissen musst
Anreise: Von München fünf Stunden, von Wien vier. Die Autobahn führt direkt auf die Halbinsel. Flughafen Pula hat in der Saison 2026 Direktflüge aus München, Frankfurt und Berlin – Eurowings und Ryanair fliegen regelmäßig. Vom Flughafen nach Pula-Stadt sind es zehn Minuten, nach Rovinj dreißig. Der Radtransport im Flugzeug kostet zwischen 30 und 80 Euro je nach Airline; wer das sparen will, mietet vor Ort.
Wasser und Verpflegung: In den Bergdörfern gibt es Brunnen mit Trinkwasser, aber zwischen den Dörfern kann es einsam werden. Nimm mindestens zwei Flaschen mit, im Sommer drei. Die Konobas auf dem Land haben oft unregelmäßige Öffnungszeiten – mittags zwischen 12 und 14 Uhr ist die sicherste Zeit. Supermärkte gibt es nur in den Küstenstädten; im Hinterland findest du kleine Dorfläden (Konzum oder Studenac), die das Nötigste haben.
Sicherheit: Die Straßen sind generell sicher, aber manche Hauptstraßen (besonders die D75 entlang der Westküste) haben keinen Radstreifen und im Sommer viel Verkehr. Die hier beschriebenen Routen meiden diese Straßen bewusst. Auf den Schotterwegen begegnest du eher Schafen als Autos. Eine Warnweste für die Dämmerung ist trotzdem sinnvoll.
Übernachten: An der Küste (Poreč, Rovinj, Pula) gibt es Hotels und Apartments in jeder Preisklasse. In den Bergdörfern (Motovun, Grožnjan) findest du Boutique-Hotels und Agrartourismus-Betriebe – oft Steinhäuser mit Pool, Abendessen aus eigener Produktion und Gastgebern, die dir erzählen, wo die besten Wege sind. Zentral-Istrien (Žminj, Pazin) ist günstiger und authentischer – perfekt als Basis für Sternfahrten in alle Richtungen.
Die kulinarische Belohnung
Istrien ist Kroatiens kulinarische Hochburg, und als Radfahrer hast du dir jeden Bissen verdient. Das ist kein Zufall: Die Kombination aus mediterranem Klima, fruchtbarem Boden und der Nähe zu Italien hat eine Küche hervorgebracht, die in Kroatien ihresgleichen sucht.
Trüffel (September bis Dezember): Auf Pasta, im Risotto, im Omelette. Die weißen Trüffel aus den Wäldern um Motovun konkurrieren mit denen aus Alba – und kosten einen Bruchteil. Ein Trüffel-Omelette in einer Konoba im Hinterland: 12-18 Euro. Dasselbe Gericht in Italien: das Dreifache. In Buzet findet im September das Trüffelfest statt, bei dem eine riesige Trüffel-Frittata auf dem Hauptplatz zubereitet wird.

Pršut: Luftgetrockneter Schinken aus dem Hinterland, monatelang gereift in der Bora – dem kalten Nordostwind, der über die Halbinsel fegt. Dünner geschnitten als in Italien, milder im Geschmack, mit einer leichten Süße, die vom Wind kommt. Die besten Produzenten sitzen in der Gegend um Tinjan, wo im Oktober eine Pršut-Messe stattfindet.
Malvasia und Teran: Die lokalen Weine. Malvasia ist weiß, frisch, mineralisch – perfekt nach einer heißen Tour. Teran ist rot, kräftig, erdig – der Begleiter zum Abendessen. Beides geht immer, und in den Weingütern entlang der Routen kostet eine Flasche zwischen 8 und 20 Euro.
Olivenöl: Istrien produziert einige der besten Öle der Welt – nicht als Marketing-Behauptung, sondern belegt durch internationale Auszeichnungen (Flos Olei, der wichtigste Olivenöl-Führer, listet regelmäßig istrische Produzenten in den Top 10). Die Preise sind fair: 10-20 Euro für einen halben Liter, der zu Hause ein halbes Jahr hält.
Fuži und Pljukanci: Handgemachte Pasta, typisch istrisch. Fuži sind kleine gedrehte Röllchen, Pljukanci ähneln dicken Spaghetti – beides wird mit Trüffel, Wildragout oder einfach mit Olivenöl und Käse serviert. In den Konobas im Hinterland isst du für 20-30 Euro fürstlich, mit Wein und Nachtisch.
Städte für danach

Rovinj: Das fotogenste Städtchen Istriens, und das will etwas heißen. Die Altstadt sitzt auf einer Halbinsel, die bunten Häuser stehen so dicht, dass die Wäsche von Fenster zu Fenster gespannt wird. Die Kirche Sv. Eufemija thront über allem, und von ihrem Glockenturm siehst du bei klarem Wetter bis nach Venedig. Abends: Fisch in einer der Restaurants am Hafen, dazu ein Glas Malvasia, während die Sonne hinter den vorgelagerten Inseln verschwindet.
Poreč: Die Euphrasius-Basilika ist UNESCO-Welterbe und in einer Stunde besichtigt – die byzantinischen Mosaike aus dem 6. Jahrhundert gehören zu den am besten erhaltenen in Europa. Der Decumanus, die Hauptgasse der Altstadt, ist abends lebendig ohne überlaufen zu sein. Der Strand Zelena Laguna südlich der Stadt bietet Kiefernschatten und flaches Wasser – ideal, um die müden Beine nach einer Tour zu kühlen.
Pula: Die Arena ist spektakulär – eines der am besten erhaltenen römischen Amphitheater der Welt, in dem im Sommer 2026 wieder Konzerte und Filmvorführungen stattfinden. Dazu Augustustempel, Sergierbogen und eine unterschätzte Altstadt mit Cafés und Restaurants in den Seitengassen. 2-3 Stunden reichen für die wichtigsten Sehenswürdigkeiten, aber Pula verdient mehr Zeit, besonders abends, wenn die Touristen in ihre Resorts fahren und die Stadt den Einheimischen gehört.
Motovun: Das ikonische Bergstädtchen, 277 Meter über dem Mirna-Tal. Im Juli findet hier das Motovun Film Festival statt – Independent-Filme unter freiem Himmel, mit einer Atmosphäre, die ihresgleichen sucht. Im Herbst drehen sich die Restaurants um Trüffel, und du kannst den Suchtrupps bei der Arbeit zusehen. Der Aufstieg zu Fuß (oder mit dem Rad) lohnt sich allein für die Stadtmauer-Promenade, von der aus du das gesamte Tal überblickst.
Strände zum Abkühlen
Das Schöne an Istrien: Das Meer ist nie weit. Selbst wenn du tief im Hinterland unterwegs bist, sind es selten mehr als 30 Kilometer bis zur nächsten Bademöglichkeit.
Kap Kamenjak bei Pula: Naturschutzgebiet an der Südspitze Istriens. Felsbuchten, wild, ursprünglich. Das Wasser ist so klar, dass du den Boden in fünf Metern Tiefe siehst. Perfekt nach der Küstenrunde – fahr bis zum südlichsten Punkt, stell das Rad ab, und spring von den Felsen ins Meer. Eine Strandbar in einer umgebauten Safari-Hütte verkauft kaltes Bier und frisch gepressten Orangensaft.

Rovinj: Felsküste, glasklares Wasser, viele kleine Buchten. Der Goldene Kap-Wald (Zlatni Rt) südlich der Altstadt ist ein Naturpark mit schattigen Badeplätzen zwischen den Kiefern. Direkt nach der Tour ins Meer – kein Strand in Istrien ist so nah an einer Altstadt.
Rabac: Kiesstrände in einer Bucht an der Ostküste. Touristischer als Kamenjak oder Rovinj, aber familienfreundlicher mit flachem Einstieg, Liegen und Restaurants direkt am Wasser. Gut erreichbar nach Touren im östlichen Istrien.
Savudrija: Der nördlichste Zipfel Istriens, mit einem Leuchtturm, der aus einem anderen Jahrhundert zu stammen scheint. Die Buchten hier sind klein und felsig, das Wasser kühl und klar. Wer von der Buje-Region zurückkommt, kann hier den Tag ausklingen lassen – Sonnenuntergang inklusive.
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