Die 10 schönsten Dörfer in Kroatien (2026)
- Redaktionsteam
- Top 10 , Reisetipps
- 07 Mar, 2026
Inhalt
Kroatien hat mehr als Dubrovnik und Split. In den Hügeln Istriens, auf dalmatinischen Inseln und im Hinterland verstecken sich Dörfer, die aussehen wie Filmkulissen. Steinerne Gassen, vergessene Kirchen, Aussichten, die den Atem stocken lassen — und dazwischen die Stille, die man in den großen Küstenstädten vergeblich sucht. Wer sich abseits der Hauptstraßen bewegt, findet das Kroatien, das es vor dreißig Jahren überall gab: Orte, an denen die Zeit langsamer vergeht, die Nachbarn noch miteinander reden und der Espresso auf dem Dorfplatz das wichtigste Ereignis des Vormittags ist.

Wir haben zehn Dörfer ausgesucht, die unterschiedlicher kaum sein könnten — vom istrischen Trüffelort über ein dalmatinisches Fischerdorf bis zum Wassermühlen-Ensemble im Landesinneren. Was sie verbindet: Jedes einzelne lohnt sich als Tagesausflug oder sogar als Übernachtungsziel. Und jedes hat eine Geschichte, die man nirgendwo nachlesen kann, sondern nur vor Ort spürt.
1. Motovun (Istrien)
Motovun ist der Inbegriff des istrischen Hügeldorfs. Auf einem 277 Meter hohen Hügel über dem Mirna-Tal thront die mittelalterliche Festungsstadt, umgeben von Weinbergen, Olivenhainen und den dichten Eichenwäldern, in denen jedes Jahr zwischen Oktober und Januar die wertvollsten weißen Trüffel Europas ausgegraben werden. Schon die Anfahrt ist ein Erlebnis: Die enge Serpentinenstraße schraubt sich spiralförmig hinauf, bis man durch das äußere Stadttor tritt und plötzlich das gesamte Tal zu Füßen liegt.

Die Geschichte des Ortes reicht bis in die Bronzezeit zurück, doch die heutigen Mauern stammen aus der venezianischen Epoche. Zwischen dem 13. und 18. Jahrhundert war Motovun eine wichtige Grenzbefestigung der Republik Venedig. Auf der begehbaren Stadtmauer kann man den gesamten Ort umrunden — der Panoramablick reicht bei klarer Sicht bis zur Adriaküste. Innerhalb der Mauern drängen sich Steinhäuser mit grünen Fensterläden aneinander, verbunden durch schmale Gassen, die alle zum zentralen Platz mit dem romanischen Glockenturm führen.
Motovun lebt heute von zwei Dingen: Trüffel und Film. Das Motovun Film Festival, das jeden Sommer unter freiem Himmel auf dem Hauptplatz stattfindet, hat sich seit 1999 zu einem der wichtigsten unabhängigen Filmfestivals Südosteuropas entwickelt. Tagsüber dominiert aber ein anderer Duft — in fast jeder Gasse riecht es nach Trüffel. Restaurants wie das Mondo oder die Konoba Fakin servieren frische Fuži mit weißem Trüffel, und in den kleinen Läden kann man Trüffelprodukte kaufen, die nur einen Bruchteil dessen kosten, was man in Deutschland dafür zahlen würde.

Anreise und Aufenthalt: Von Poreč oder Rovinj braucht man mit dem Auto etwa 40 Minuten. Parken ist nur unterhalb des Dorfes möglich (ca. 3 Euro pro Stunde im Sommer). Der steile Aufstieg zum Tor dauert zehn Minuten — wer nicht gut zu Fuß ist, kann im Sommer den Shuttlebus nehmen. Für einen ausführlichen Besuch sollte man mindestens zwei Stunden einplanen, besser einen halben Tag. Im Dorf gibt es mehrere Apartments und das Hotel Kaštel direkt auf dem Hauptplatz. Wer morgens vor 9 Uhr kommt, hat den Ort oft fast für sich allein — die Reisebusse treffen erst gegen 10 Uhr ein.
Radfahrer finden rund um Motovun einige der schönsten Strecken Istriens. Die Istrische Weinberge Route (68 km) führt von Poreč über Motovun bis nach Buje, vorbei an Weingütern und durch die Landschaft, die das Hinterland Istriens so besonders macht.
2. Grožnjan (Istrien)
Die Geschichte von Grožnjan ist eine der ungewöhnlichsten Comebacks Kroatiens. Nach dem Zweiten Weltkrieg verließ die italienischsprachige Bevölkerung den Ort fast vollständig im Rahmen des istrischen Exodus. Das Dorf verfiel, Häuser standen leer, Dächer brachen ein. In den 1960er Jahren entschied die jugoslawische Regierung, den Ort an Künstler zu vergeben — wer einzog, musste die Häuser selbst restaurieren. Was als Experiment begann, wurde zu einer Erfolgsgeschichte. Heute ist praktisch jedes zweite Haus in Grožnjan eine Galerie, ein Atelier oder eine Werkstatt.

Was Grožnjan von anderen Künstlerdörfern unterscheidet: Die Kunst ist nicht Fassade. Hier leben und arbeiten tatsächlich Maler, Bildhauer und Musiker, viele davon das ganze Jahr über. Im Sommer verwandelt sich der Ort in eine Bühne — das JazzIstria Festival bringt internationale Musiker in die Steingassen, und man hört Klarinette und Saxophon durch die offenen Fenster. Die Jeunesses Musicales Croatia betreibt hier eine Sommerakademie, aus deren Übungsräumen im Juli und August ständig Klänge dringen.
Der Ort selbst ist winzig — in einer Viertelstunde hat man jede Gasse gesehen. Aber das ist nicht der Punkt. Der Punkt ist, auf dem kleinen Hauptplatz zu sitzen, einen Kaffee zu trinken und über die Weinberge zu blicken, die sich bis zum Meer erstrecken. Das Licht am späten Nachmittag, wenn die Steinfassaden golden leuchten, hat schon Generationen von Malern in seinen Bann gezogen. Gastronomisch bietet Grožnjan erstaunlich viel für seine Größe: Die Konoba Bastia serviert istrische Küche auf einer Terrasse mit Panoramablick, und in der Enoteca Zigante kann man Weine der Region verkosten.
Anreise und Aufenthalt: Von Poreč etwa 30 Minuten mit dem Auto, von Buje nur 10 Minuten. Parken vor dem Ortseingang, der Rest geht zu Fuß. Wer hier übernachten möchte, findet einige charmante Apartments in den restaurierten Steinhäusern — eine der besten Möglichkeiten, das nächtliche Grožnjan zu erleben, wenn die Tagesgäste verschwunden sind und nur noch die Katzen durch die Gassen streifen.
3. Hum (Istrien)
Hum beansprucht den Titel der kleinsten Stadt der Welt — und liefert sich seit Jahrzehnten einen freundlichen Streit mit dem dalmatinischen Ort Vrsar um diesen Rekord. Unabhängig davon: Hum hat etwa 30 Einwohner, eine einzige gepflasterte Gasse, eine romanische Kirche aus dem 12. Jahrhundert, einen Friedhof und eine Konoba. Die gesamte “Stadt” lässt sich in fünf Minuten durchqueren. Und genau das macht den Reiz aus.

Die Geschichte reicht weit zurück. In der Umgebung finden sich Inschriften in Glagoliza, dem ältesten slawischen Alphabet, das in dieser Region bis ins 19. Jahrhundert in Gebrauch war. Die Glagolitische Allee, ein Lehrpfad von Roč nach Hum, führt vorbei an elf steinernen Skulpturen, die die Buchstaben dieses fast vergessenen Alphabets darstellen. Der sieben Kilometer lange Spaziergang durch die istrische Landschaft ist eine der ungewöhnlichsten Kulturwanderungen des Landes.
In der Konoba Hum — dem einzigen Restaurant des Ortes — sollte man unbedingt Biska probieren, einen traditionellen Likör aus Mistelzweigen und Kräutern, der seit Jahrhunderten nach überlieferten Rezepten gebrannt wird. Dazu gibt es istrische Gerichte wie Maneštra (Bohnensuppe) und Pršut. Das Essen ist einfach, aber authentisch, und der Wirt erzählt gern die Geschichte des Ortes, wenn man danach fragt. Jedes Jahr im Juni findet die symbolische Wahl des Bürgermeisters von Hum statt — ein Spektakel, bei dem die Einwohner mit Kerben in einem Holzstab abstimmen, einer Tradition aus dem Mittelalter.
Anreise und Aufenthalt: Hum liegt auf einer Anhöhe zwischen Buzet und Roč, erreichbar über eine schmale, kurvenreiche Straße. Parken direkt vor dem Stadttor, aber es gibt nur etwa zehn Stellplätze. Übernachtungsmöglichkeiten im Ort selbst existieren nicht; Buzet (15 Minuten entfernt) ist die beste Basis. Für den Besuch reicht eine Stunde — wer die Glagolitische Allee geht, sollte drei Stunden einplanen.
4. Primosten (Dalmatien)
Von oben sieht Primosten aus wie eine Illustration in einem Kinderbuch: Eine perfekt ovale Halbinsel, dicht bebaut mit rot gedeckten Steinhäusern, verbunden mit dem Festland durch einen schmalen Damm. Früher war Primosten tatsächlich eine Insel — die Bewohner zogen den Damm erst im 16. Jahrhundert auf, als sie sich vor den Osmanen auf den Felsen zurückgezogen hatten.

Heute ist Primosten ein seltsamer Hybrid: halb verschlafenes Fischerdorf, halb lebendiger Badeort. Die Altstadt auf der Halbinsel hat ihren Charakter bewahrt — enge, steile Gassen, an denen Wäsche zwischen den Häusern hängt, Katzen auf Fensterbänken, der Geruch von Gegrilltem aus den Konobas. Die Kirche Sv. Juraj thront ganz oben auf dem Hügel, und der kurze Aufstieg wird mit einem Rundumblick belohnt, der an klaren Tagen bis zu den Kornati-Inseln reicht.

Was viele nicht wissen: Die terrassenförmigen Weinberge rund um Primosten sind ein Denkmal der kroatischen Kulturlandschaft. Die Babica-Traube wächst hier in Parzellen, die durch Trockenmauern aus weißem Kalkstein voneinander getrennt sind. Die kroatische Regierung hat dieses Muster als Kandidaten für die UNESCO-Welterbeliste eingereicht — eine Luftaufnahme der geometrischen Steinmuster ging um die Welt. Der Rotwein, den man in Primosten aus der Babica-Traube keltert, ist kräftig und trocken, perfekt zu gegrilltem Fisch.
Anreise und Aufenthalt: Primosten liegt 30 Kilometer südlich von Sibenik und ist über die Küstenstraße leicht erreichbar. Im Sommer ist Parkplatzsuche auf dem Festland eine Herausforderung — am besten früh kommen. Auf beiden Seiten der Halbinsel gibt es Kiesstrände, der größte ist Raduca. Übernachten kann man in Apartments innerhalb der Altstadt, was besonders abends reizvoll ist, wenn die Tagestouristen weg sind und die Fischer ihre Netze flicken.
5. Ston (Dalmatien)
Ston ist eine Festungsstadt, die es eigentlich gar nicht geben dürfte — zu mächtig, zu wehrhaft für einen so kleinen Ort. Über fünf Kilometer ziehen sich die Befestigungsmauern über die Bergrücken rund um die Stadt, unterbrochen von 40 Türmen und drei Festungen. Es ist die zweitlängste erhaltene Verteidigungsmauer in Europa, nach den Mauern von Dubrovnik die beeindruckendste an der Adriaküste. Die Republik Ragusa (Dubrovnik) baute dieses Bollwerk im 14. Jahrhundert zum Schutz ihrer Salinen — das weiße Gold war damals wertvoller als Silber.

Die Mauern sind heute begehbar, und der Aufstieg zu den höchsten Punkten gehört zu den unterschätzten Erlebnissen Kroatiens. Von oben blickt man auf die geometrischen Salzbecken, die noch heute in Betrieb sind, auf die Bucht von Mali Ston mit ihren Austernfarmen und auf die Halbinsel Peljesac, deren Weinberge sich bis zum Horizont erstrecken. Der Rundgang dauert etwa eine Stunde und ist bei Sommerhitze anstrengend — Wasser mitnehmen und am besten morgens oder abends gehen. Der Eintritt kostet etwa 10 Euro.
Und dann sind da die Austern. Mali Ston, der Nachbarort auf der anderen Seite des Isthmus, ist Kroatiens Austernhauptstadt. In den geschützten Gewässern der Bucht züchten Familien seit Generationen Austern und Muscheln. In den Restaurants am Hafen bekommt man ein Dutzend frische Austern ab etwa 10 Euro — ein Bruchteil dessen, was man anderswo in Europa zahlt. Dazu einen Glas Pošip vom Peljesac, und der Nachmittag hat seinen Höhepunkt erreicht.

Anreise und Aufenthalt: Ston liegt auf der Halbinsel Peljesac, etwa 60 Kilometer nordwestlich von Dubrovnik. Mit dem Auto dauert die Fahrt gut eine Stunde. Im Sommer gibt es Busverbindungen ab Dubrovnik. Wer per Rad unterwegs ist, findet mit der Zwischen Mauern und Salz Route (33 km) eine kompakte Tour, die Ston, die Salinen und die Küstenlandschaft verbindet.
6. Vrbnik (Krk)
Vrbnik ist das vertikale Dorf. Auf einem 50 Meter hohen Kalksteinfelsen über dem Meer drängen sich Steinhäuser aus dem 14. und 15. Jahrhundert so eng aneinander, dass die Gassen teilweise weniger als einen Meter breit sind. Die berühmteste davon — Klancic — misst an ihrer engsten Stelle 43 Zentimeter. Wer mit Rucksack kommt, muss ihn abnehmen, um durchzupassen.

Was Vrbnik einzigartig macht, ist nicht nur die Architektur, sondern auch der Wein. Die Zlativna-Traube (auch Zlahtina) wächst fast ausschließlich auf den Feldern rund um Vrbnik, auf dem Hochplateau hinter dem Klippenrand. Es ist ein leichter, frischer Weißwein mit Zitrusnoten und einem Hauch Salz, der perfekt zur dalmatinischen Küche passt. In den Konobas des Ortes kann man ihn direkt vom Fass trinken, auf Terrassen, die über dem Abgrund hängen. Die bekanntesten Weingüter — Katunar, Toljanić und Šipun — bieten Verkostungen an, oft ohne Voranmeldung.
Vrbnik war jahrhundertelang ein Zentrum der Glagoliza-Schrift. In der Bibliothek der Pfarrkirche wird eine der ältesten erhaltenen glagolitischen Handschriften aufbewahrt. Das kulturelle Erbe zeigt sich auch im Stadtbild: An mehreren Hausfassaden sind glagolitische Inschriften zu sehen, und ein kleines Museum erklärt die Geschichte dieser einzigartigen Schrifttradition. Im Sommer finden auf dem kleinen Platz vor der Kirche Konzerte statt — Klapa-Gesang unter dem Sternenhimmel, mit dem Rauschen des Meeres als Hintergrundmusik.
Anreise und Aufenthalt: Von der Krk-Brücke sind es etwa 20 Minuten mit dem Auto. Parken ist nur außerhalb des Dorfes möglich, von dort sind es fünf Minuten zu Fuß. Unterhalb des Kliffs gibt es einen kleinen Kiesstrand, erreichbar über Treppen. Wer Vrbnik mit dem Rad erkunden will: Die Von Malinska zum Klippenzauber Vrbniks Route (44 km) führt über die ganze Insel Krk und endet hier auf der Klippe — ein Abschluss, der sich anfühlt wie verdient.
7. Lubenice (Cres)
Manche Orte muss man sich verdienen. Lubenice gehört dazu. Das Dorf sitzt 378 Meter über dem Meer auf einem Felsvorsprung der Insel Cres, erreichbar über eine einspurige Straße mit Schlaglöchern, die sich durch Macchia und Steineichen windet. Am Ende der Straße: ein Parkplatz für vielleicht zwanzig Autos, und dann ein Ort, der so wirkt, als hätte ihn jemand vor fünfhundert Jahren vergessen.

Lubenice hat heute weniger als zwanzig Einwohner, die meisten davon im Sommer. Die Steinhäuser, teilweise verfallen, teilweise restauriert, gruppieren sich um eine kleine Kirche. In den Gassen wächst Gras zwischen den Pflastersteinen. Es gibt keinen Laden, kein Café, keine Infrastruktur — nur eine Aussicht, die einem die Sprache verschlägt. Von der Klippe blickt man direkt auf die Adria hinunter, auf den Strand Sv. Ivan, eine sichelförmige Bucht mit kristallklarem Wasser, die nur zu Fuß erreichbar ist.
Der Abstieg zum Strand dauert etwa 30 bis 40 Minuten und ist steil, teilweise über loses Geröll. Festes Schuhwerk ist Pflicht, Flipflops sind lebensgefährlich. Aber wer unten ankommt, wird belohnt: Der Strand gehört regelmäßig zu den schönsten Stränden Kroatiens, und an einem normalen Wochentag im Juni teilt man ihn vielleicht mit fünf anderen Menschen. Wasser und Proviant muss man selbst mitbringen — es gibt unten nichts zu kaufen. Im Sommer veranstaltet der Kulturverein gelegentlich Konzerte in der kleinen Kirche — die Akustik der Steinmauern und die Abendstille machen diese Aufführungen zu einem Erlebnis, das man so schnell nicht vergisst.
Anreise und Aufenthalt: Von der Fähre Merag (von Krk) bis Lubenice sind es etwa 40 Kilometer. Die letzten zehn Kilometer auf der Stichstraße sind langsam, aber problemlos zu fahren. Übernachten im Ort ist in einzelnen privaten Apartments möglich, aber die Auswahl ist minimal. Cres-Stadt (30 Minuten entfernt) ist die bessere Basis.
8. Rastoke (Kontinentales Kroatien)
Rastoke nennt man oft das “kleine Plitvice”, aber das wird dem Ort nicht gerecht. Während Plitvice ein Nationalpark ist, durch den sich Tausende Besucher schieben, ist Rastoke ein Dorf, in dem Menschen leben — zwischen Wasserfällen. An der Stelle, wo der Fluss Slunčica in die Korana mündet, hat das Wasser über Jahrtausende Travertin-Terrassen geformt. Die Bewohner von Rastoke bauten ihre Häuser direkt auf und zwischen diese Felsformationen, betrieben Wassermühlen und lebten mit dem Fluss als Nachbarn.

Heute stehen noch mehrere der historischen Mühlen, einige davon restauriert und im Betrieb. Man kann sie besichtigen und sehen, wie Getreide zwischen schweren Mühlsteinen gemahlen wird — eine Technik, die sich seit dem 17. Jahrhundert nicht verändert hat. Zwischen den Häusern stürzt das Wasser in kleinen Kaskaden herab, unter manchen Terrassen fließt es hindurch, und im Frühling, wenn der Wasserstand hoch ist, verwandelt sich das ganze Dorf in ein einziges Rauschen. Fotografen lieben Rastoke besonders im Herbst, wenn das Laub der umliegenden Wälder die Travertin-Stufen in warmes Licht taucht.

Es gibt ein kleines Freilichtmuseum und geführte Touren, die die Geschichte der Mühlen und des Dorfes erzählen. In den Sommermonaten werden Kajak- und Bootsfahrten auf der Korana angeboten — eine ruhige Angelegenheit, vorbei an Travertinwänden, die mit Moos überwachsen sind. Das Restaurant Petro am Wasserfall serviert Forelle aus dem Fluss und Strukli (Quarkstrudel), beides Spezialitäten der Region.
Anreise und Aufenthalt: Rastoke liegt direkt an der Autobahn Zagreb—Split, bei der Stadt Slunj (Ausfahrt Slunj). Von Zagreb sind es 90 Minuten, von den Plitvicer Seen nur 25 Minuten — eine ideale Kombination für einen Tag. Der Eintritt für das Dorfgelände kostet etwa 5 Euro. In Slunj und Umgebung gibt es zahlreiche Pensionen und Ferienwohnungen. Wer sich mit dem Rad auf den Weg machen will: Die Von den Seen zu den Wassermühlen Route (39 km) verbindet Plitvice mit Rastoke durch die Karstlandschaft der Lika.
9. Beli (Cres)
Beli ist einer jener Orte, die man nicht gezielt besucht, sondern auf die man stößt — und dann nicht mehr verlassen will. Das Dorf liegt im Norden der Insel Cres, auf einem bewaldeten Hügel über einer stillen Bucht. Die Steinhäuser, viele davon seit Jahrzehnten unbewohnt, wirken wie Kulissen aus einem anderen Jahrhundert. Efeu rankt über eingestürzte Dächer, durch die leeren Fenster sieht man den Himmel.

Was Beli besonders macht, sind die Gänsegeier. In den Klippen rund um das Dorf nisten die letzten Kolonien dieser imposanten Greifvögel an der Adriaküste. Das Rettungszentrum Caput Insulae, direkt im Dorf, kümmert sich seit den 1990er Jahren um verletzte und verwaiste Geier, und man kann die Station besuchen, die Vögel aus der Nähe sehen und viel über ihr Verhalten und die Bedrohungen lernen, denen sie ausgesetzt sind. Morgens, wenn die Thermik einsetzt, kreisen die Geier mit ihren drei Meter breiten Schwingen über dem Dorf — ein Schauspiel, für das Ornithologen aus ganz Europa anreisen.
Rund um Beli führen markierte Wanderwege durch die Tramuntana, den wilden Norden von Cres, der fast vollständig unbewohnt ist. Der Pfad zur Bucht unterhalb des Dorfes dauert etwa zwanzig Minuten und endet an einem Kiesstrand, der selten besucht wird. In der einzigen Konoba des Dorfes — die im Sommer sporadisch geöffnet hat — bekommt man Lammfleisch vom Grill und Schafskäse aus lokaler Produktion, beides Spezialitäten der Insel.
Anreise und Aufenthalt: Von der Fähre Porozina (von Brestova in Istrien) sind es 20 Kilometer bis Beli. Die Straße ist schmal, aber asphaltiert. Das Rettungszentrum kostet etwa 5 Euro Eintritt und ist von April bis Oktober geöffnet. Am aktivsten sind die Geier am Morgen. Übernachtungsmöglichkeiten gibt es in wenigen privaten Apartments im Dorf; die meisten Besucher kommen als Tagesgäste von Cres-Stadt.
10. Lopud (Elafiti-Inseln)
Lopud ist das Gegenteil von Hektik. Die kleine Insel vor Dubrovnik hat keine Autos — nicht weil es verboten wäre, sondern weil es keine Straßen gibt, die das rechtfertigen würden. Stattdessen verbinden steinerne Pfade die verstreuten Häuser, die Kirchen, die verlassenen Renaissancepaläste und den Sandstrand Sunj auf der Rückseite der Insel.

Die Geschichte von Lopud erzählt vom Reichtum und Niedergang einer Seemacht. Im 15. und 16. Jahrhundert war die Insel Heimat wohlhabender Kapitäne der Republik Ragusa, die sich hier Villen und Sommerresidenzen bauten. Ihre Paläste stehen teilweise noch, verwachsen mit Bougainvillea und Pinien, manche restauriert, andere dem Verfall preisgegeben. Die Franziskanerkirche beherbergt ein Triptychon aus dem 15. Jahrhundert, und der botanische Garten rund um das ehemalige Kloster ist eine Oase subtropischer Pflanzen, die Seefahrer aus aller Welt mitgebracht haben.
Der Sandstrand Sunj, ein etwa 20-minütiger Spaziergang vom Hafen durch Pinien- und Olivenhaine, ist einer der wenigen echten Sandstrände der Region. Das Wasser ist flach und warm, perfekt für Familien. Im Sommer gibt es eine Strandbar und einen Verleih für Liegestühle. Aber auch außerhalb der Saison lohnt sich der Weg — im Frühling blüht die gesamte Insel, und der Strand ist menschenleer.
Gastronomisch überrascht Lopud mit einer Dichte, die man nicht erwarten würde. Das Restaurant Obala am Hafen serviert fangfrischen Fisch, und die Konoba Dubrovnik (nicht zu verwechseln mit der Stadt) bietet dalmatinische Küche in einem Garten unter Zitronenbäumen. Wer bleibt, spürt spätestens am Abend, wenn die letzte Fähre abgelegt hat und die Tagesausflügler fort sind, die eigentliche Magie der Insel: absolute Stille, unterbrochen nur von Grillen und dem leisen Klirren der Gläser auf den Terrassencafés.
Anreise und Aufenthalt: Fähre von Dubrovnik (Hafen Gruz), Fahrzeit etwa 50 Minuten, Ticket ca. 5 Euro pro Person. Im Sommer mehrmals täglich, im Winter deutlich seltener. Auf der Insel gibt es mehrere Hotels und zahlreiche Apartments. Wer nur einen Tag hat, sollte mit der ersten Fähre kommen und mit der letzten zurückfahren.
Dörfer am Wegesrand
Ein paar Orte, die es nicht in die Liste geschafft haben, aber einen Umweg verdienen:
Oprtalj sitzt auf einem Hügel in der Nähe von Motovun und hat den gleichen Charme, aber ohne die Touristen. Die Fresken in der Marienkirche unterhalb des Dorfes stammen aus dem 15. Jahrhundert und sind erstaunlich gut erhalten.
Skradin am Eingang des Krka-Nationalparks war einst Hauptstadt des illyrischen Königreichs. Heute ist es ein ruhiger Hafen mit exzellenten Restaurants und der perfekte Ausgangspunkt für einen Krka-Besuch ohne die Massen, die über Lozovac kommen.
Vis-Stadt auf der gleichnamigen Insel ist kein Dorf im eigentlichen Sinne, aber der verschlafene Fischerhafen mit seinen österreichisch-ungarischen Festungsruinen, griechischen Ausgrabungsstätten und der besten Konoba-Szene Dalmatiens gehört hierher.
Was man wissen sollte
Kroatiens Dörfer sind das Gegenprogramm zu den überlaufenen Küstenstädten. Die meisten sind nur mit dem Auto erreichbar, Busse fahren selten oder gar nicht. Navigation per GPS funktioniert zuverlässig, aber auf den letzten Kilometern sollte man den Straßenzustand nicht unterschätzen — Schlaglöcher und fehlende Leitplanken gehören auf dem Land zum Standard.
Die meisten Dörfer haben keinen Geldautomaten und oft nur ein oder zwei Restaurants, die außerhalb der Saison geschlossen sein können. Bargeld mitnehmen (seit 2023 Euro, kein Umtausch nötig) und im Zweifel vorher essen. Wasser sollte man im Sommer immer dabei haben — die Steindörfer heizen sich auf, Schatten ist Mangelware.
Wer mehrere dieser Orte verbinden will, plant am besten eine Route durch eine Region: Motovun, Grožnjan und Hum lassen sich an einem Tag kombinieren, ebenso Primosten mit einem Abstecher nach Sibenik. Für die Inseldörfer (Lubenice, Beli, Lopud, Vrbnik) braucht man jeweils einen eigenen Tag inklusive Fährüberfahrt. Die schönsten Monate für Dorfbesuche sind Mai, Juni und September — warm genug für Strände, kühl genug für Spaziergänge, und ohne die Menschenmassen des Hochsommers.